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Erstellt: 21.11.2022 13:53
Von: Bjarne Kommnick
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Sepsis ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und die häufigste nach Corona und Influenza. Viele Fälle können verhindert werden.
Berlin – Sepsis, auch Blutvergiftung genannt, ist eine heimtückische Krankheit. Laut der Initiative „Deutschland erkennt Sepsis“ sterben allein in Deutschland jedes Jahr 75.000 Menschen daran. Damit ist es die dritthäufigste Todesursache. Jedes Jahr gibt es weltweit mehr als 11 Millionen Todesfälle durch Sepsis. Viele Fälle seien vermeidbar, wie die Initiative beschreibt. Allein in Deutschland könnten durch Früherkennung mindestens 20.000 Todesfälle verhindert werden. Blutvergiftungen spielen vor allem bei Influenza- und Corona-Erkrankungen eine wichtige Rolle.
Blutvergiftung und Corona: 90 Prozent aller Todesfälle gehen auf Sepsis zurück
Die Sepsis Foundation erklärt den Zusammenhang zwischen Corona und Sepsis: „Laut einer aktuellen Übersicht, die mehr als 150 Studien zu Covid-19 umfasste, erfüllt fast ein Drittel aller Patienten, die im Krankenhaus mit Covid-19 behandelt werden, die Kriterien einer Sepsis.“ Etwa 80 Prozent der Patienten auf der Intensivstation würden eine Sepsis entwickeln.
Muskel- und Kopfschmerzen, Erschöpfung und Atemnot: Viele Symptome einer Sepsis ähneln denen von Long-Covid. © Oliver Killig/dpa
Konrad Reinhart, Intensivmediziner und Präsident der Sepsis-Stiftung, sagte gegenüber focus.de: „Früherkennung und schnelleres Eingreifen könnten viele Todesfälle und zahlreiche schwerwiegende Spätfolgen verhindern, die Uhr tickt für Patienten unglaublich schnell“, sagt Reinhart. Demnach starben etwa 90 Prozent aller Covid-Todesfälle letztlich an einer Sepsis.
Die Symptome von Long Covid und Post-Sepsis-Syndrom sind nahezu identisch
Zudem seien laut Stiftung Long-Covid und Post-Sepsis-Syndrom, also die Spätfolgen der Erkrankung, hinsichtlich ihrer Art und Häufigkeit weitgehend identisch und würden auch bei milderen Verläufen mit ähnlicher Häufigkeit auftreten der Krankheit. ohne intensivmedizinische Behandlung.
Beide umfassen „Beschwerden wie Erschöpfung und Müdigkeit, anhaltende Atemnot durch Anstrengung und Atembeschwerden, Herzinsuffizienz, kognitive Schwierigkeiten wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung, Muskel- und Kopfschmerzen.“
Intensivmediziner: „Auch harmlose“ Infektionen können in einer Sepsis enden
Grundsätzlich kann jede Infektion zu einer tödlichen Sepsis führen, „auch scheinbar harmlose“, sagt Reinhart. In vier von zehn Fällen ergäbe sich eine Sepsis aus einer Lungenentzündung, nur in neun Prozent der Fälle aus einer Wundinfektion. Die Symptome einer Sepsis werden oft zu spät erkannt, weil sie mit ähnlichen Grippesymptomen einhergehen. Dazu gehören Fieber, Schüttelfrost, Husten, Atembeschwerden und starkes Krankheitsgefühl.
Allerdings muss eine Sepsis nicht zwangsläufig mit Fieber einhergehen. Folglich kann sogar eine Unterkühlung des Körpers als Symptom auftreten. Anzeichen dafür sind schweres und schnelles Atmen, mehr als 20 Atemzüge pro Minute oder wenn der Blutdruck abfällt. Andere Anzeichen einer Sepsis sind, wenn der Patient plötzlich verwirrt oder apathisch wirkt. „Wenn eines dieser Anzeichen mit einer Infektion zusammenhängt, sollte es sofort unter der Notrufnummer 112 gemeldet werden“, sagt Reinhardt.
Bei einer Sepsis ist das Immunsystem „überaktiviert“
Doch wie entsteht eine Sepsis? Die Stiftung Sepsis erklärt: „Wenn Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten eine lokale Infektion verursachen, schafft es unser Immunsystem meist, diese direkt am Entzündungsherd einzudämmen.“ Die Infektion hätte einen begrenzten Verlauf, der mit entsprechenden Behandlungsmaßnahmen kontrolliert werden könnte.
„Bei einer Sepsis überwinden Erreger jedoch diese lokale Begrenzung und gelangen in die Blutbahn. Das löst eine generalisierte Entzündungsreaktion im ganzen Körper aus, die alle Abwehrsysteme in einer Kettenreaktion aktiviert. Dadurch wird das Immunsystem des Systems überaktiviert.“ „Das würde nicht nur Krankheitserreger angreifen, sondern als Kollateralschaden auch körpereigene gesunde Zellen.
Sepsis: Blutvergiftung führt zu Multiorganversagen
„Wird nicht schnell ein wirksames Antibiotikum verabreicht oder beispielsweise bei einer Virusinfektion ein Medikament entwickelt, das gegen diesen Erreger wirkt, kommt es zum Multiorganversagen und zum septischen Schock, bei dem Blut und Sauerstoff die lebenswichtigen Organe versorgen . ist ebenfalls betroffen und diese funktionieren nicht mehr“, so die Stiftung.