Spätes Drama für das DFB-Team: Englands Fußballer werden Europameister

Update Spätes Drama für DFB-Elf Englische Fußballer sind Europameister geworden

31.7.2022, 20:32

Was für ein Drama: In einem intensiven EM-Finale besiegen die englischen Fußballer das DFB-Team und werden Europameister. Vor knapp 90.000 Fans entschied ein spätes Tor in der Verlängerung das Spiel. Es ist der erste Titel für die englische Nation seit dem WM-Finale 1966 mit dem berühmten Wembley-Tor.

Tränen statt Triumph: Ohne ihre Anführerin Alexandra Popp verpasste die deutsche Fußballmannschaft nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen nur knapp den begehrten neunten EM-Titel. Der Rekord-Europameister verlor das Endspiel im Wembley-Stadion nach Verlängerung mit 1:2 (1:1, 0:0) gegen Gastgeber England und kassierte damit seine erste Niederlage im Endspiel der EURO.

„Im Moment ist es eine Nervensäge“, sagte die eingewechselte Kapitänin Svenja Huth der ARD: „Wir haben 120 Minuten lang alles gegeben und uns vom Rückstand nicht beeindrucken lassen. Belohnt wurden wir leider nicht.“ Die eingewechselten Ella Toone (62.) und Chloe Kelly (110.) erzielten die Tore, als die englischen Frauen ihren ersten großen Titel vor einer ohrenbetäubenden Kulisse von 87.192 im Euro-Finale (Männer und Frauen) gewannen. Lina Magull (79a) hatte zwischenzeitlich ausgeglichen.

Der Olympiasieger 2016 des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) muss bei der WM im nächsten Jahr erneut antreten. Spieler des zweifachen Weltmeisters können sich mit einer Schlussprämie von 30.000 Euro trösten.

Pop-Drama

Kapitän und Torschütze Popp, der mit muskulären Problemen ausfiel, schaffte es nicht ins Finale. Der 31-Jährige hatte zuvor in allen fünf Spielen getroffen. Laut DFB-Geschäftsführer Oliver Bierhoff erlitt Popp am Samstag eine „leichte Zerrung“. Lea Schüller spielte Popp, den neuen Fußballer des Jahres. Svenja Huth löste Popp als Kapitänin ab. „Wir wollen den letzten Schritt machen“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg kurz vor Beginn der ARD: „Wir sehen es als Herausforderung, aber auch als Privileg.“

Das Londoner Publikum, dem zahlreiche Prominente angehörten, darunter Bundeskanzler Olaf Scholz, Innenministerin Nancy Faeser, Prinz William, DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Bundestrainer Hansi Flick und Bierhoff, sah nach 180 Sekunden die erste Chance der Engländerinnen durch Ellen White.

Auch in der Wiederholung des Endspiels 2009 (6:2 für Deutschland) bestimmten die Löwinnen, wie es weiterging. Die Deutschen, die auch auf Klara Bühl (Corona) verzichten mussten, hatten dank Sara Däbritz (10.) noch gute Chancen. Das DFB-Team ging in der hitzigen Partie über weite Strecken in die Defensive. Echte Chancen konnten sich die Engländer allerdings nicht herausspielen.

Kelly bringt den Ball über die Linie

Mitte der ersten Halbzeit lösten sich die Deutschen vom englischen Druck. In der 25. Minute schoss Marina Hegering den Ball nach einer Ecke fast über die Torlinie. Ein potenziell strafbares Handspiel der englischen Kapitänin Leah Williamson in dieser Szene wurde per Videobeweis zu Lasten der DFB-Auswahl nachgewiesen. Danach passierte nicht mehr viel. Im Mittelfeld neutralisierten sich die beiden Mannschaften. Das änderte sich in der 38. Minute, als Weiß wieder die englische Überlegenheit auf den Fersen hatte.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit machten die Deutschen richtig Gas. Die eingewechselte Tabea Waßmuth (48.) und Magull (50.) vergaben die Chance zur Führung. Danach wurde es wieder kompliziert, nach einer Stunde hatte Schiedsrichterin Katerina Monsul (Ukraine) bereits fünf Gelbe Karten ausgesprochen.

Als Toone einkassierte, war die deutsche Abwehr zu weit vorgerückt. Magull hätte sofort ausgleichen können, traf aber nur den Pfosten (66.). Danach warfen die Deutschen alles nach vorne, Voss-Tecklenburg brachte einige frische Kräfte für die Schlussoffensive. Magull belohnte das Laufteam des DFB mit dem Unentschieden. In der Verlängerung waren die Deutschen zunächst aktiver, doch Kelly köpfte den Ball nach einer Ecke über die Linie.

Schon vor dem Finale war klar, dass am Montagnachmittag in Frankfurt/Main ungeachtet des Ergebnisses gefeiert wird. Das deutsche Team präsentiert sich seinen Fans auf dem Balkon des Rathauses im Römer.

Neuendorf blickte dem Moment nach dem Finale bereits mit großen Erwartungen entgegen. „Die Mannschaft hat in den vergangenen Wochen das ganze Land in eine gewisse Aufregung versetzt“, sagte der DFB-Funktionär: „Wir wollen alles umdrehen, wir wollen konkrete Ziele erreichen.“

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