Turbo-Elektroautos von China nach Europa

Einen entscheidenden Beitrag dazu könnte eine kürzlich geschlossene Vereinbarung zwischen dem Autovermieter Sixt und BYD leisten: Der Gigant der deutschen Industrie hat bei den Chinesen mehrere tausend Elektroautos bestellt und sich bereit erklärt, bis 2028 weitere rund 100.000 zu kaufen. So die Autovermietung Das Unternehmen wird künftig fast die Hälfte seiner derzeitigen Flotte (inklusive Franchisenehmer) in China erwerben.

Für BYD bietet das zwei Vorteile: Zum einen kommen viele Kunden in Europa zum ersten Mal mit der noch unbekannten Marke in Berührung. Außerdem könnte das Unternehmen, das bereits einer der größten Batteriehersteller der Welt ist, auch der größte Elektroautohersteller werden und Tesla von der Spitze stoßen.

Ehrgeizige Ziele

Auf dem heimischen Markt, dem größten Automarkt der Welt, sind chinesische Hersteller bei Elektroautos bereits führend. BYD und SAIC (ursprünglich Shanghai Automotive Industry Corporation) sind Tesla voraus, deutsche Autokonzerne wie VW fallen zunehmend unter die Räder. Das Jahresziel von BYD von 1,5 Millionen verkauften Fahrzeugen wird in diesem Jahr problemlos erreicht. BYD-Gründer Wang Chuanfu hat sich kürzlich zum Ziel gesetzt, den Umsatz bis 2023 auf vier Millionen zu steigern.

APA/AFP/Getty Images/Justin Sullivan Polestar, ein Joint Venture von Volvo und dem chinesischen Eigentümer Geely, tritt ebenfalls in den europäischen Markt ein

Es ist China, das „den Weltautomarkt vor einem großen Rückgang bewahrt“, wie der deutsche Experte Ferdinand Dudenhöffer sagte, während der Automarkt in den USA im ersten Halbjahr 2022 einen Rückgang von 18 Prozent und die EU einen 14 % Rückgang China konnte seine Neuwagenverkäufe in den ersten sechs Monaten um 4 % steigern.

Vorhanden, aber nicht bekannt

Doch China allein reicht BYD nicht mehr aus, genauer gesagt: Es will seine Sichtbarkeit auch anderswo erhöhen. Denn das Unternehmen ist bereits heute in großem Umfang weltweit präsent: Es ist einer der größten Hersteller von Batterien und Akkus, beispielsweise für Mobiltelefone, Heimelektronik und Photovoltaik. Nun soll der Sprung auch auf den Straßen Europas, darunter Österreich, gelingen.

IMAGO/VCG BYDs Flaggschiff Han kommt bald auf den österreichischen Markt

Kaufen Sie im Dezember bei SCS ein

Denzel hat eine Partnerschaft mit BYD unterzeichnet. Ab Anfang 2023 sind drei Modelle erhältlich: das Kompakt-SUV Atto 3, das größere SUV Tang und die Luxuslimousine Han. In zwei Jahren sollen sechs bis sieben Modelle angeboten werden, ausschließlich elektrifiziert. Der erste Store wird im Dezember eröffnet, wie Car Manager Danijel Dzihic, der seit November CEO von BYD Austria ist, im Interview mit ORF.at sagte. Standort wird die Shopping City Süd (SCS) bei Wien sein, wo Interessenten ein niederschwelliger Zugang zur Marke geboten und auch Probefahrten vereinbart werden können.

Der genaue Preis muss noch ermittelt werden, aber Dzihic nennt eine Bandbreite von 40.000 bis 50.000 für den Atto 3, wenn auch voll ausgestattet. Der Aufbau eines Vertriebsnetzes geht über die Erwartungen hinaus, in den letzten vier Wochen haben rund 90 Händler in Österreich aktiv Kontakt zu BYD Austria aufgenommen und Interesse bekundet. Denzel will mit Augenmaß vorgehen: „Qualität vor Quantität“, sagte Dzihic. Mit Shell wurde ein Kooperationsvertrag zum Aufbau der Ladeinfrastruktur geschlossen.

Vorbei sind die Zeiten des Crashtest-Debakels

Dzihic teilt nicht die Sorge, dass potenzielle Kunden chinesischer Qualität weiterhin misstrauen könnten. Vorbei sind die Zeiten, in denen chinesische Hersteller eine verheerende Crashtest-Leistung hatten. Der Atto 3 von BYD beispielsweise erhielt in diesem Jahr fünf von fünf Sternen beim European New Vehicle Assessment Programme (Euro NCAP). Außerdem fertigen europäische Hersteller mittlerweile auch in China. Smartphones, Notebooks, Akkus: „Jetzt kommt alles von dort“.

Reuters/Bobby Yip BYD entwickelt und produziert weitgehend unabhängig

Mehr Sicherheit als Versprechen

Was auch Dzihic optimistisch stimmt, wird auf der Website von BYD Austria bekannt gegeben: „BYD ist der einzige Elektroautohersteller, der eigene Antriebssysteme, Hochvoltbatterien, Halbleiter, Motorenantriebe und Motorsteuerungssysteme entwickelt und produziert, was vor allem in der The Die aktuelle Mangelsituation ist ein wichtiger Wettbewerbsvorteil in der Automobilindustrie.“ BYD versichere auch die Rohstoffe selbst, sei also „super autark“, sagte Dzihic.

Auch in puncto Sicherheit stellt BYD Neuheiten vor: Die „Blade Battery“, eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie, soll stabiler vor äußeren Einflüssen geschützt sein und damit die Brandgefahr bei einem Unfall deutlich minimieren. Nickel oder Kobalt wird nicht konserviert, die Produktion ist also ressourcenschonender und günstiger. Inzwischen soll auch Tesla die Batterien von BYD kaufen.

IMAGO/Xinhua/Zhao Zishuo NIO verspricht volle Batterien in wenigen Minuten

NIO positioniert sich mit Abonnements

NIO ist auch dabei, auf dem europäischen Markt durchzustarten. Zunächst wollte das chinesische Unternehmen seine Modelle in vier europäischen Ländern – Deutschland, den Niederlanden, Dänemark und Schweden – ausschließlich über Abo- und Mietverträge vertreiben. Aufgrund der entsprechenden Nachfrage werde das Angebot nun angepasst, sagte er. Künftig wird es auch eine Kaufoption geben.

NIO-Kunden können die Batterie im Modell „Battery-as-a-Service“ (BaaS) mieten oder kaufen. Den 75-kWh-Akku gibt es für 169 Euro, den 100-kWh-Akku für 289 Euro im Monat. Bei niedrigem Ladezustand können die beiden Energiespeicher an den ebenfalls in Europa zu installierenden Batteriewechselstationen von NIO innerhalb weniger Minuten gegen vollgeladene getauscht werden Kunden können die Batterien auch zum Preis von 12.000 Euro bzw. 21.000 Euro kaufen. Eine Nutzung des Austauschnetzes ist dann allerdings nicht mehr möglich.

Künstlich konserviert oder die Zukunft der Autoindustrie?

Laut der Deutschen Welle (DW) beurteilen Experten die Chancen chinesischer Hersteller in Europa kürzlich sehr unterschiedlich. Im Grunde hat keiner der chinesischen Hersteller gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen. Ohne die ständige Unterstützung des Staates auf lokaler und staatlicher Ebene würden die meisten, wenn nicht alle heute nicht existieren. Das meint Jochen Siebert, Gründer des auf den chinesischen Automarkt spezialisierten Beratungsunternehmens JSC Automotive mit Sitz in Shanghai und Stuttgart.

Ganz anders Dudenhöffer: „Die neue Technologie- und Zulieferindustrie entsteht in China und chinesische Autohersteller werden von diesem neuen ‚Füllhorn‘ profitieren können.“ Auch für Europa wäre eine Abkehr von China „ein industrieller Verlust, der irreversibel ist“. . Mit anderen Worten: Tesla sei einzigartig, „aber China ist eine breite Bewegung, die viele Teslas hervorbringt“.

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