Uhrwerk Chrono Chime von Omega. (Bild: PD)
Klang der Zeit
Uhren mit auffälligen Mechanismen stehen für höchste Uhrmacherkunst. Sie verbinden komplexe Mechanik mit Musikalität.
Smartwatches machen uns mit Tönen auf allerlei Dinge aufmerksam, was wirklich nervig sein kann. Weniger bekannt ist, dass es auch mechanische Armbanduhren gibt, die mit Klängen den Lauf der Zeit versüßen. Wir alle wissen aus dem Alltag, dass mechanische Uhren in der Lage sind, die Zeit akustisch anzuzeigen, denn alle Kirchturmuhren sind dazu in der Lage, und die meisten von uns haben auch Hallenuhren gehört. Damit gaben sich die Uhrenerfinder des 18. Jahrhunderts jedoch nicht zufrieden, denn schon damals hieß die Devise: Miniaturisierung.
Oft wird behauptet, dass die ersten Taschenuhren mit akustischer Zeitanzeige für Sehbehinderte gebaut wurden. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die damaligen Meisteruhrmacher einfach die Grenzen des Machbaren ausloten wollten.
Diese Uhr mit kantigem Kleid präsentiert offen ihr Innenleben mit fliegendem Tourbillon, sodass das Auge verfolgen kann, welche Prozesse im Inneren entfesselt werden, um den vollen Klang dieser Konstruktion zu erzeugen. Dieser wurde in Zusammenarbeit mit dem französischen Lautsprecherhersteller Devialet entwickelt. (Bild: PD)
Glockenfedern erzeugen den Ton
Eine Taschenuhr zu bauen, die klingelt, stellte Designer vor ganz neue Herausforderungen. Die Hauptsache war, den Klang einer Glocke in einem relativ kleinen Gehäuse zu erzeugen, das bereits mit viel Mechanik gefüllt war. Die Lösung bisher: sogenannte Soundbars aus Stahl, die kreisförmig um das Uhrwerk angeordnet sind. Sie sind an einem Ende mit einer Metallbasis am Uhrwerk oder Gehäuse befestigt, während das andere Ende frei schwingen kann. Die Länge und Stärke des gebogenen Sticks bestimmen seinen Ton. Mit spiralförmigen Wicklungen lässt sich sogar eine lange Soundbar in einer runden Box unterbringen. Glocken mit kreisförmiger Wölbung werden aufgrund ihrer Form auch Glocken genannt. Möchte man verschiedenfarbige Töne erzeugen, muss man die Uhr mit mehreren Gongs unterschiedlicher Länge bestücken, die natürlich nicht berührt werden dürfen, da dies ein hässliches Geräusch erzeugen würde.
Dieses Modell ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass sich die Genfer Manufaktur nicht vom Äußeren täuschen lassen sollte. Denn hinter der schlichten Optik versteckt sich gekonnt das aufwändige Innenleben, das erst beim Drücken des seitlichen Sliders seine Funktion preisgibt: kein Bling-Bling, sondern viel Ding-Dong. (Bild: PD)
Repeat-Funktion: Ansage der Uhrzeit auf Abruf
Eine weitere Herausforderung ist die Mechanik, die die Töne zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Reihenfolge erzeugt. Während eine Uhr ununterbrochen arbeitet, setzt sich die akustische Zeitanzeige nur bei Bedarf in Bewegung. Die häufigste Form ist die sogenannte Wiederholungsfunktion. Sie sagt auf Abruf die Uhrzeit an und wird vom Träger der Uhr aktiviert. Besonders komplizierte Exemplare können die Zeit auch im Takt schlagen lassen, also automatisch pünktlich, wie eine Kirchturmuhr. Sogenannte Minutenrepetitionen können sogar minutengenau die Uhrzeit erklingen lassen.
Wie die Uhr die Position der Zeiger erkennt
Die Mechanik einer Uhr mit akustischer Zeitanzeige muss wissen, wo sich die Zeiger gerade befinden. Da er nicht sehen kann, fühlt er die Informationen innerhalb der Arbeit. Dort sind die Wellen der Stunden- und Minutenzeiger mit speziell geformten Stufennocken ausgestattet. Drückt man den Drücker oder Schieber, um die Minutenrepetition zu aktivieren, zieht man einerseits den Mechanismus auf und bewegt andererseits drei Drücker für Stunden, Viertel und Minuten in Richtung der Zeigerachsen, wo sie landen. die Schritte, die Informationen über die aktuelle Zeit bringen. Je näher die Tonhöhe an der Zeigerwelle liegt, desto länger bewegt sich der Knopf zur Ausgangsposition und desto mehr Schläge ertönen auf dem Weg zurück. Die drei Hebel mit den Knöpfen sind mit Spikes ausgestattet, die auf dem Weg zurück in die Ausgangsposition kleine Hämmerchen anheben und freigeben, um sie mit dem zugeordneten Gong kurz abzusenken. Die Hämmer sind federnd gelagert, sodass sie sofort zurückschnellen, um Geräusche zu vermeiden. Klingt kompliziert? Tatsächlich ist es viel komplizierter.
Das Tourbillon-Carillon-Uhrwerk dieser Uhr wurde mit dem Wissen der Spezialisten der Marke im Vallée de Joux entwickelt. Die blau durchbrochenen Stege, die an einen Kühlergrill erinnern, suggerieren die Transparenz, mit der der Klang der drei Tonfedern durch die Hohlräume des Platingehäuses nach außen dringt. (Bild: PD)
Wie renommierte Uhrenmarken die Akustik verbesserten
Lange Zeit waren Armbanduhren mit Repetitionsfunktion historischen Taschenuhren nachempfunden, bei denen die Tonfedern in das Uhrwerk eingeschraubt waren und ihre Schwingungen auf das Gehäuse übertrugen. Aufgrund ihrer geringeren Größe und weil der Gehäuseboden, der bei Taschenuhren als Resonanzfläche fungiert, auf dem Handgelenk aufliegt und daher gedämpft ist, klangen diese Armbanduhren immer dünner als ihre älteren Pendants. Seit der Jahrtausendwende haben sich mehrere namhafte Marken diesem Nachteil angenommen und an der Akustik ihrer Repetieruhren gearbeitet.
2005 lancierte Jaeger-LeCoultre eine Minutenrepetition, bei der der Gongboden fest mit dem oberen Saphirglas verbunden ist und diesen als Resonator nutzt.
Dieser imposante und doch dezente Zeitmesser aus Weißgold vereint die beiden klassischen Komplikationen eines ewigen Kalenders und einer Minutenrepetition und repräsentiert das geballte Know-how der Manufaktur. Die besonders langen blauen Tonfedern sind nicht nur auf der Manufaktur sichtbar, sondern auch rund um das guillochierte Emailzifferblatt. (Bild: PD)
2016 stellte Audemars-Piguet die experimentelle Uhr „RD1“ vor, die mit einer nicht nur wasserdichten, sondern auch besonders klangvollen Minutenrepetition, der „Supersonnerie“, ausgestattet war. Sein Geheimnis lag in einer dünnen Metallmembran am Boden des Uhrwerks, geschützt durch einen Gehäuseboden mit Schallöffnungen. 2019 tat sich Ulysse Nardin sogar mit dem französischen Lautsprecherhersteller Devialet zusammen, um eine besonders voluminöse Sound-Repetieruhr zu bauen. Beim damaligen Modell „Hourstriker Phantom“ wurde der Klang der Tonfedern sogar über einen mechanischen Hebel auf die Metallmembran am Boden der Uhr übertragen.
Die hier gezeigte Uhr ist nur einmal erhältlich, wer sie kauft, kann sich also für das gleiche Zifferblattdesign entscheiden. Dieser wird dann von der Meisterin ihres Fachs, Anita Porchet, emailliert. Die guillochierten Wellen symbolisieren den vollen Klang des von Audemars Piguet entwickelten Resonanzverstärkers. (Bild: PD)
2016 lancierte Chopard das Modell „LUC Full Strike“, eine Uhr mit Repetieruhr, deren Tonfedern aus Saphirglas gefertigt und zusammen mit dem Deckglas aus einem massiven Block gefräst wurden. Das einzigartige Verfahren verlieh der Uhr einen kristallklaren Klang. Bei der diesjährigen LUC Full Strike Sapphire ist die Marke so weit gegangen, das gesamte Gehäuse aus einem transparenten, kratzfesten Material zu machen. Die vorgenannten Marken sind von ihren Lösungen so überzeugt, dass sie diese seit der ersten Markteinführung konsequent in allen Folgemodellen einsetzen und jeder Uhr einen unverwechselbaren, markentypischen Klang verleihen.
Diese volltransparente Uhr von Chopard vermittelt Transparenz für Auge und Ohr: Ihr komplexes Uhrwerk aus 533 Einzelteilen ist dank eines Gehäuses aus kratzfestem Saphirglas von allen Seiten einsehbar. Damit treibt die Marke ihr einzigartiges Soundsystem, das aus einem Block Saphirglas gefräst wird, auf die Spitze. (Bild: PD)
Neueste Innovation bei Omega
Jüngstes Beispiel für Innovationen in der Klangerzeugung sind die beiden „Chrono Chime“-Modelle von Omega, die die Funktion einer Stoppuhr mit einer Minutenrepetition vereinen. Um den Klang des Uhrwerks, für das 17 Patente angemeldet wurden, zu optimieren, experimentierten die Designer mit dem Material der am Gehäuse befestigten Tonfedern und stellten fest, dass das von Omega entwickelte Sedna-Gold den vollsten Klang erzeugt und zudem nicht magnetisch ist obligatorisch für die Omega-Zertifizierung, da ein Master-Chronometer unerlässlich war.
Die Konstruktion und Fertigung einer Uhr mit Schlagwerk erfordert Spezialisten, die nicht nur das Uhrmacherhandwerk beherrschen, sondern auch musikalisch sein müssen. Nicht alle Hersteller verfügen über diese Fähigkeiten. Wer zu einer großen Gruppe gehört, die verschiedenste Häuser vereint und für die nötigen Synergien sorgen kann, darf sich glücklich schätzen. Aber auch andere Marken müssen nicht darauf verzichten, wenn sie diese Komplikation im Portemonnaie haben wollen. Auch externe Spezialisten wie der unabhängige Uhrmachermeister Christophe Claret de Le Locle lassen selbst komplizierteste Wünsche wahr werden.
Raynald Aeschlimann, CEO und Präsident von Omega
Wie kam Omega auf die Idee, zwei Uhren mit akustischer Zeitanzeige zu kreieren?
Die Geschichte von Omega ist voll von Beispielen für die Innovationskraft der Marke im Bereich der großen Komplikationen. Die Minutenrepetition von 1892 ist ein Beispiel, das wir nun wieder aufgegriffen haben. Allerdings haben wir die akustische Funktion mit einer Komplikation kombiniert,…