Verschärftes Sexualstrafrecht: Spanien: Für sexuelle Beziehungen ist eine klare Einwilligung erforderlich

Spaniens verschärftes Sexualstrafrecht: Für Sex ist eine klare Einwilligung erforderlich

25.08.2022, 22:48

Das spanische Parlament billigt das neue Gesetz „Nur ja heißt ja“. Jeder Sex ohne ausdrückliche Zustimmung wird als Vergewaltigung eingestuft. Auch “Kochkomplimente” und die Verbreitung von Sexvideos sind strafbar.

In Spanien wird das Sexualstrafrecht verschärft. Schließlich hat das Parlament von Madrid einem Gesetzentwurf der Linksregierung zugestimmt, wonach alle Beteiligten künftig sexuelle Handlungen ausdrücklich hinnehmen müssen. Abgeordnete der konservativen Volkspartei (PP) und der rechtspopulistischen Vox stimmten gegen das sogenannte „Ja heißt nur ja“-Gesetz. Sein Hauptargument: Der Plan gefährdet das Prinzip der Unschuldsvermutung. Das Gesetz wurde erstmals im Mai vom Parlament verabschiedet, aber der Senat gab es mit einer kleinen Änderung zurück.

Die neuen Paragraphen heben die Unterscheidung zwischen Missbrauch und Körperverletzung auf. Sobald es in Kraft tritt, gelten sexuelle Übergriffe als Vergewaltigung, unabhängig davon, ob das Opfer sich widersetzt oder eine Handlung aus Angst zulässt. Dann drohen bis zu 15 Jahre Haft wegen Vergewaltigung und sexueller Gewalt. Zudem werden unter anderem „einschüchternde“ Komplimente und die Verbreitung von Sexvideos bestraft.

Die Ministerin für Gleichstellung der Geschlechter, Irene Montero, hat das Gesetz als “entscheidenden Schritt zur Veränderung der Sexualkultur ihres Landes” bezeichnet. “Vergewaltigungskultur” und “sexueller Terror” werden beendet. „Die feministische Bewegung schreibt in Spanien Geschichte“, sagte sie im Mai. Mit ihrer Initiative reagierte die Linksregierung auf mehrere aufsehenerregende Fälle von Gruppenvergewaltigungen, bei denen die Täter in den vergangenen Jahren mit milden Strafen davongekommen waren.

Vor allem ein Fall im Juli 2016 sorgte für große Empörung. Eine Gruppe von fünf jungen Männern schleppte während der Sant-Fermí-Feierlichkeiten in Pamplona eine junge Frau zu einer Tür. Sie vergewaltigten ihr Opfer mehrmals und filmten alles. Das zuständige Gericht sah darin kein Vergewaltigungsdelikt, weil es, wie es im Urteil von 2018 hieß, „weder Schläge noch Drohungen“ gegeben habe und das Opfer passiv geblieben sei. Das Urteil löste landesweit Proteste aus.

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