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Die Grünen verlieren, die LPG wächst weiter: Sie können sich das Ergebnis ansehen, wenn heute schon Wahl wäre.
Die Vorzeichen für die Wahl in einem Jahr könnten unterschiedlicher kaum sein: Während die Grünen ihr sensationelles Ergebnis von 2019 nicht wiederholen können und mit Einbußen rechnen müssen, kann GLP mit weiterem Wachstum rechnen. Das von der SRG in Auftrag gegebene Wahlbarometer zeigt, dass die Echowelle der letzten Wahl neutralisiert wurde.
Gleichzeitig zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen FDP und SP ab: Die SP kann ihren Stimmenanteil fast halten, während die FDP auf Wachstum hoffen und damit aufholen kann. Auch SVP und Zentrum bleiben stabil. Trotz Corona-Krise, Ukraine-Krieg oder drohendem Energieengpass gibt es kaum spürbare Veränderungen bei den Wahlabsichten.
Die repräsentative Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo zeigt die Stimmbereitschaft der Schweizer Stimmbevölkerung. Mehr als 21.000 Wähler wurden befragt. Kleiner Schönheitsfehler: Die Fehlerquote liegt bei 1,3 Prozentpunkten. Blick zeigt die wichtigsten Ergebnisse:
Bitte leicht erhöhen
Die SVP ist und bleibt die Partei mit den meisten Stimmen. Würde heute gewählt, würde sie leicht um 0,5 Prozentpunkte auf 26,1 Prozent steigen. Und das, obwohl sich laut Studie 27 Prozent der Wähler für rechte Politiker halten. Viele Wähler wechselten von der SVP zur FDP, was zum Comeback von Freisinn beitrug. Allerdings kann die Volkspartei ihren Wähleranteil steigern.
SP verliert leicht
Die Aussichten für die SP waren nicht sehr rosig. Seit den Nationalratswahlen 2019 hat die Partei in den Kantonen eine Niederlage nach der anderen hinnehmen müssen. Vor allem die Grünen haben der SP Wasser gezogen. Im Wahlbarometer schnitten die Sozialisten jedoch glimpflich ab: Sie verloren 0,5 Prozentpunkte und kamen immerhin auf 16,3 Prozent der Wähler. Die SP profitiert unter anderem davon, dass der rasante Aufstieg der Grünen vorerst gestoppt wurde. Sie ist immer noch stärker als die FDP, nur knapp, aber immerhin.
FDP schafft Trendinvestments
Bei der FDP zeichnet sich eine regelrechte Trendwende ab. Wurden Freisinn in der letzten Umfrage vor einem Jahr noch weitere Verluste prognostiziert, sind die Aussichten nun deutlich besser. Das SRG-Wahlbarometer prognostiziert der Partei einen Zuwachs um einen Prozentpunkt auf insgesamt 16,1 Prozent der Stimmberechtigten.
„Mit dieser Entwicklung sind wir natürlich sehr zufrieden. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, kommentierte FDP-Präsident Thierry Burkart (47). Der FDP gelingt es, klare Themen zu formulieren und klar zu kommunizieren: „Wir sind wieder greifbarer und zeigen Vorteile.“
Das erklärte Ziel, die SP als zweitstärkste Partei abzulösen, ist noch nicht erreicht. „Aber die Umfrage zeigt, dass es möglich ist“, betont Burkart. „Das erhöht die Motivation, an dem eingeschlagenen Weg weiterzuarbeiten.“
Die Mitte hält
Die Jahre des Niedergangs der alten CVP sind gestoppt. Zusammen mit der BDP in der Mitte konnte sie ihren Stimmenanteil stabilisieren. Sie verliert laut Wahlbarometer 0,5 Prozentpunkte, was unter die statistische Unsicherheit fällt, und erreicht 13,3 Prozent. Die Partei kann sich auf ihre Basis verlassen: 75 Prozent ihrer Wähler sind mit der Führung von Zentrumspräsident Gerhard Pfister (60) zufrieden.
Die Grünen sind die großen Verlierer
Es war ein politisches Erdbeben. In der Grünen Welle haben die Grünen ihren Stimmenanteil 2019 von 7,1 auf 13,2 Prozent fast verdoppelt. Doch nun ist der rasante Aufstieg abrupt zum Stillstand gekommen. Sie verlieren 1,5 Prozentpunkte und erreichen immer noch 11,7 Prozent. Damit würden die Grünen aber dennoch das zweitbeste Ergebnis ihrer Geschichte erzielen. Vor allem verliert die Partei desillusionierte Wähler, die zur SP wechseln. Laut Sotomo konnte die Party die Erwartungen, die da waren, nicht erfüllen.
LPG ist der große Gewinner
Der wahre Gewinner ist LPG. Sie würde um 1,5 Prozentpunkte zulegen und kommt nun auf einen Wähleranteil von 9,3 Prozent. GLP-Präsident Jürg Grossen (53) lässt den Sekt noch im Kühlschrank: «Das sind nur Prognosen, der Umsatz wird im Oktober 2023 sein.» Er ist natürlich trotzdem zufrieden: “Wir sind die einzige Partei, die alle bisherigen Umfragen gewonnen hat.”
Immer mehr Menschen erkennen laut Grossen, dass die Partei vor allem in den Bereichen Energieversorgung, Klimaschutz und Europapolitik die richtigen Antworten auf die drängendsten Herausforderungen hat. Anders als etwa die Grünen schafft es die GLP, Lösungen für Umweltprobleme gemeinsam mit und nicht gegen die Wirtschaft zu finden.
Die stetige Steigerung schaffe Gier: «Wenn wir es etwas besser machen und die 10-Prozent-Hürde überwinden und im Ständerat vertreten sind, dann stellt sich die Bundesratsfrage.» (db)