Was kommt nach der Immobilienparty?

Steigende Zinsen, knappere Kreditvergabe und das Ende des Baubooms: Die Zeichen am Wohnungsmarkt haben sich über Nacht geändert. Doch wer auf fallende Preise und Deals spekuliert, dürfte enttäuscht werden.

Jahrelang schossen die Wohnungs- und Hauspreise in Österreich durch die Decke. Wer kaufen konnte, weil es nicht viel brauchte, die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank machte es möglich. Kredite waren günstig, Eigenkapital wurde kaum benötigt und die Nachfrage nach Wohnraum wurde nicht durch das Bevölkerungswachstum unterbrochen. Mietwohnungen, insbesondere in guten Lagen, waren ein sicherer Renner. Den Maklern wurden Eigentumswohnungen abgenommen, entsprechend überschaubar war der Arbeitsaufwand für sie. Aber die Bedingungen haben sich stark verändert, seit die EZB ihre ultralockere Geldpolitik beendet hat. Ende Oktober erhöhte sie den Leitzins erneut um 0,75 Prozent, er liegt nun bei zwei Prozent. Weitere Erhöhungen dürften folgen.

Historisch gute Konditionen für Kreditnehmer gehören damit der Vergangenheit an. Hinzu kommen strengere Richtlinien für Immobilienkredite und höhere Baukosten. All dies macht Immobilieninvestitionen weniger attraktiv. Und Wohneigentum ist für viele nicht erschwinglich. Einige rechnen bereits mit stagnierenden oder sogar fallenden Immobilienpreisen. Aber ist diese Hoffnung berechtigt? Zumindest jetzt noch nicht. „Die Kursentwicklung hat sich im ersten Halbjahr 2022 noch einmal beschleunigt“, sagt Matthias Reith, Analyst bei der Raiffeisen Bank International (RBI). Für das Gesamtjahr ist erneut mit einem Anstieg der Wohnimmobilienpreise um elf Prozent zu rechnen. Seit Corona ist die Preisdynamik wieder gestiegen. Vor allem aufgrund des starken ersten Halbjahres wird für das Gesamtjahr ein zweistelliges Wachstum erwartet. „Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in unserer Prognose definitiv von einem zweiteiligen Jahr ausgehen.“ Gründe sind strengere Kreditregulierungen und steigende Zinsen. „Die Kombination aus beidem macht den Unterschied“, sagt der Analyst.

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