Welche Rolle spielen Standards in der Forschung?

22.08.2022

Barbara Wimmer

Standards sind nicht nur für die Medizintechnik wichtig, sondern auch für künstliche Intelligenz und den Umweltbereich.

Damit medizintechnische Produkte nicht an Tieren getestet werden, muss auch dies etabliert und in sogenannten Standards verankert werden. „Grundlagenforschung, angewandte Forschung und Standardisierung sind gefragt“, sagt Elisabeth Mertl, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Austrian Institute of Chemistry and Technology (OFI): „Standards und Forschung unterstützen sich gegenseitig.“

Ihr Wissen bringt die Forscherin auch in das nationale Komitee der Normungsorganisation Austrian Standards für Medizintechnik und die internationale Arbeitsgruppe für Sensibilisierungstests ein, wofür sie im Mai den Living Standards Award von Austrian Standards erhielt.

Die von ihm entwickelten Testmethoden als anerkannte Alternative zu Tierversuchen wurden in die neue ISO-Norm (IDO 10993) aufgenommen. „Die Norm erhöht die Akzeptanz und Sicherheit des neuen Verfahrens“, erklärt Mertl.

Valerie Höllinger ist Leiterin von Austrian Standards

© Österreichische Regeln

„Normen sind Innovationstreiber, weil sie eine schnellere Markteinführung neuer Produkte ermöglichen und die Entwicklung nicht am Markt vorbeigeht“, erklärt Valerie Höllinger, Geschäftsführerin von Austrian Standards. Laut Höllinger wähle die Industrie Produkte nach Qualitätsmaßstäben aus und genau diese Qualität schätze folglich auch der Verbraucher.

Mit den Standards würden zunehmend auch die „Trends der Zukunft“ bestimmt, sagt Höllinger. Vor allem in den Bereichen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, E-Mobilität, Cybersicherheit und „Green Deal“ sind Standards gefragt. „Sie sorgen in Klimafragen für Klarheit bei Definitionen, etwa was sauber ist, oder dienen der Angabe von Messwerten. Damit erreichen Produkte eine gewisse Qualität“, erklärt der Leiter von Austrian Standards.

Mehr Vielfalt durch Frauen und Jugendliche

Mertl spricht über seine Arbeit in Normungsgremien. Die Diskussionen über die Abschaffung von Tierversuchen und die Akzeptanz neuer In-vitro-Methoden für die Medizintechnik waren sehr heterogen. “Es war ein offener und demokratischer Prozess.”

Besonders wichtig ist laut Hollinger, dass es künftig mehr Diversität in Gremien gibt und sich auch jüngere Menschen an der Entwicklung neuer Standards beteiligen. „Entscheidungen treffen längst nicht mehr nur Männer über 55“, sagt Höllinger.

Vielfalt würde den Austausch und die Weiterentwicklung bereichern. Das würde auch viele Vorteile bringen: „Wer in der Normung arbeitet, kommt mit Leuten aus vielen verschiedenen Bereichen zusammen. Man spricht mit anderen Experten, die man vorher nicht kannte und entdeckt neue Chancen oder erkennt Hindernisse“, sagt Höllinger.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *