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Entspannt: Touristen beim Fotografieren auf der Rialtobrücke in Venedig.
In der Schweiz meldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bei der Bekanntgabe der wöchentlichen Corona-Zahlen am Dienstag erstmals seit Wochen einen Rückgang der Zahl der Neuinfektionen. Auch die Krankenhauseinweisungen gingen gegenüber der Vorwoche zurück. Der Chefarzt des Kantons, Rudolf Hauri (62), sagte daraufhin im Blick-Interview, er schliesse einen erneuten Anstieg der Corona-Zahlen nicht aus. Eine „Rückkehr zur Maskenpflicht auf breiter Front“ erwarte er allerdings nicht.
Ähnlich wie in der Schweiz wurden auch in vielen anderen europäischen Ländern die meisten pandemiebedingten Beschränkungen schrittweise aufgehoben. Droht mit dem Wintereinbruch eine Rückkehr zu den Verhältnissen der letzten Jahre?
Italien
Angesichts der starken Auswirkungen zu Beginn der Pandemie gelten in Italien seit langem die strengsten EU-Maßnahmen. Sogar die Ausgangssperre und die Maskenpflicht im Freien sind darin enthalten. Für bestimmte Bevölkerungsgruppen war die Impfung zeitweilig Pflicht, wer sich weigerte, musste ein Bußgeld zahlen.
In Zügen und Bussen gilt keine Maskenpflicht mehr. Sie sollten nur in Krankenhäuser gebracht werden. Zudem besteht weiterhin eine Quarantänepflicht für Corona-Positive. Auch bei unseren südlichen Nachbarn ist die Herbstwelle zu verzeichnen, sie lässt aber bereits nach. Es gibt keine Debatte über Verschärfungsmaßnahmen.
Frankreich
Das Land beendete den Gesundheitsnotstand Ende Juli. Seitdem entfallen die Corona-Maßnahmen. In Frankreich ist die Nutzung von Intensivstationen das einzige Kriterium für die Einführung neuer Beschränkungen. Dies sei trotz des Herbsthochs bisher nicht nötig gewesen – Anzeichen einer Überlastung der Intensivstation gebe es nicht.
In Frankreich gilt eine Maskenpflicht nur in Gesundheitseinrichtungen. Die Regierung sagte, sie sei bereit, eine Ausweitung auf andere Gebiete in Betracht zu ziehen. Da die Infektionszahlen aktuell wieder sinken, wird es wohl in absehbarer Zeit keine generelle Maskenpflicht mehr geben.
Deutschland
Anders ist die Situation in Deutschland. Auch dort sinkt derzeit die Zahl der Neuinfektionen. Doch die Corona-Maßnahmen wurden unter Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (59) bisher nur sehr zögerlich gelockert. In Deutschland beispielsweise gilt bis heute die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Isolationspflicht von Infizierten ist noch nicht abgeschafft – eine Massnahme, die in der Schweiz seit dem 1. April nicht mehr gilt.
Lauterbach plant sogar, die Maßnahmen noch einmal zu verschärfen: Dann müssten die Bundesländer spätestens zum Winter wieder eine Maskenpflicht für alle Innenbereiche einführen. Schon jetzt ist klar, dass Bundesländer wie Bayern dieser Bitte nicht ohne Weiteres nachkommen werden.
Österreich
Die Bewältigung der Corona-Krise hat in Österreich bereits zwei Gesundheitsminister ihren Job gekostet. Der aktuelle Amtsinhaber Johannes Rauch (63) ist daher weniger energisch als seine Vorgänger. So wurde unter seiner Führung die vor Amtsantritt eingeführte Impfpflicht abgeschafft.
Die Zunahme der Krankenhausauslastung in Österreich hat zuletzt heftige Debatten über eine Rückkehr zur Maskenpflicht entfacht. Seit Juni gilt die Regelung nur noch für den öffentlichen Nahverkehr in der Hauptstadt Wien. Auch die Isolationspflicht für Positive wurde aufgehoben. Infizierte ohne Symptome müssen sogar zur Arbeit gehen. Sie können auch an Veranstaltungen teilnehmen. Einzige Regel: Sie müssen eine FFP2-Maske tragen. Dass die Regierung die Corona-Schraube bald wieder anzieht, scheint angesichts der jüngsten Corona-Zahlen unwahrscheinlich: Inzwischen gibt es nicht nur eine Entspannung bei den Neuinfektionszahlen, sondern auch bei der Auslastung der Krankenhäuser.
Kantonschefarzt Hauri: «Die Belastung der Spitäler ist hoch, aber es braucht keine neuen Massnahmen» (01:42)