Weltmeisterschaft in Brüssel
Gewalttätige Ausschreitungen nach Belgiens Blamage gegen Marokko
Ab: 19:33 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Am Boden zerstörtes Belgien zittert nach Torwartfehler im Achtelfinale – Video-Highlights
Belgien schämte sich gegen Marokko und bangte um den Einzug ins Achtelfinale. Courtois verlässt einen Freistoß aus spitzem Winkel. In der Nachspielzeit besiegelte Aboukhlal den Bankrott der Belgier. Das Highlight im Video.
Das Scheitern der belgischen Elf gegen Marokko sorgt in Brüssel für heftige Ausschreitungen. Die belgische Polizei griff energisch ein. „Ich rate allen Fans davon ab, in die Innenstadt zu kommen“, schreibt der Bürgermeister.
Nach der überraschenden 0:2-Niederlage der Nationalmannschaft gegen Marokko im zweiten WM-Gruppenspiel in Katar brachen in der belgischen Hauptstadt Brüssel Unruhen aus. Etwa 100 Polizisten mussten mit Wasserwerfern gegen Fans vorgehen, die Straßenmöbel zerstörten und Gegenstände auf Beamte warfen, berichtete die belgische Nachrichtenagentur. Auch in den Niederlanden gab es Berichte über Unruhen. Zur Identität der Randalierer gab es zunächst keine Angaben. In Videos, die in den sozialen Medien kursieren und angeblich Teile der Ausschreitungen zeigen, sind mehrere Personen mit marokkanischen Fan-Utensilien zu sehen.
Die Brüsseler Polizei forderte die Menschen per Twitter auf, den Boulevard du Midi und die angrenzenden Straßen im Stadtzentrum zu meiden. „Die Polizei hat bereits energisch eingegriffen. Ich rate daher allen Fans, nicht in die Innenstadt zu kommen“, schrieb der Brüsseler Bürgermeister Philippe Close auf Twitter. Er hatte die Festnahme der Randalierer angeordnet Das teilten auch Nahverkehrsunternehmen auf Twitter mit.
Nach dem Spiel: Marokkanische Fans in Brüssel
Was: dpa/Nicolas Maeterlinck
Laut einer Polizeisprecherin hatten gegen 15.20 Uhr Dutzende Menschen die Konfrontation mit Ordnungskräften gesucht. Dabei wurde unter anderem Pyrotechnik eingesetzt und Straßenbrände gelegt. Belgiens Premierminister Alexander De Croo kritisierte die Gewalt und sagte laut Belga: “Fußball sollte ein Fest sein.”
Auch in den Niederlanden kam es laut der niederländischen Nachrichtenagentur ANP zu Ausschreitungen, darunter in Rotterdam, Amsterdam und Den Haag. Die Polizei schätzt, dass die Gruppe der Randalierer in Rotterdam 500 Personen umfasst. Die Polizei wurde mit Feuerwerkskörpern und Glas beworfen.
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Belgiens umjubelter Star kassierte gegen Marokko die erste WM-Vorrundenniederlage seit 28 Jahren. Die dritte WM 2018 ist nur noch ein Schatten vergangener WM-Turniere aus Katar und nach einer weiteren enttäuschenden Leistung gegen den Ausländer müssen sie sogar um das Erreichen der letzten 16 bangen.
Belgien zeigte eine langsame und uninspirierte Leistung
Im Gegensatz zu ihrem ermutigenden Auftaktsieg gegen Kanada wurden die Belgier, die ihre letzte Niederlage in der Gruppenphase 1994 bei einer 0:1-Niederlage gegen Saudi-Arabien hinnehmen mussten, diesmal mit einer langsamen und uninspirierten Leistung bestraft. Ein Freistoß des ehemaligen deutschen U21-Nationalspielers Abdelhamid Sabiri in der 73. Minute und ein spätes Tor von Zakaria Aboukhlal (90+2) besiegelten die Niederlage des Turnierfavoriten und bescherten den Nordafrikanern den erst dritten Sieg in einem WM-Finale.
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Kurz vor dem Anpfiff mussten sie sogar einen Ausfall auf zentraler Position verkraften. Auf jeden Fall sorgte der ungewöhnlich kurzfristige Torhüterwechsel für Verwirrung und Hektik auf der Bank des marokkanischen Ersatzspielers. Stammtorhüter Bono vom spanischen Spitzenklub FC Sevilla sang kurz vor dem Spiel mit dem Rest der Mannschaft die Nationalhymne. Als das Spiel wenige Minuten später im Al-Thumama-Stadion angepfiffen wurde, stand jedoch sein eingewechselter Munir El Kajoui im Tor.
„Bono wurde in der Schlussphase unseres ersten Spiels gegen Kroatien verletzt. Zehn Minuten vor dem heutigen Spiel hat er gespürt, dass etwas nicht stimmt“, berichtete Marokkos Trainer Walid Regragui nach dem Spiel. Daraufhin sei seine Nummer eins auf ihn zugekommen und habe ihn gebeten, kein Risiko einzugehen. „Und unser Ersatztorhüter hat dann einen tollen Job gemacht“, lobte er der Trainer.
Munir El Kajoui ist ein erfahrener Torhüter mit 33 Jahren, der in Spanien geboren wurde, bei der Weltmeisterschaft 2018 Marokkos Nr. 1 war und sein 44. Spiel gegen Belgien bestritt. Erst im Sommer wechselte er vom türkischen Erstligisten Hatayspor zum saudischen Klub Al-Wehda FC. Auch dank ihrer souveränen Leistung schlagen die Marokkaner den haushohen Favoriten verdient und können nun im abschließenden Gruppenspiel gegen Kanada am Donnerstag ihr erstes WM-Achtelfinale seit 1986 erreichen.
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