Zürich: Ein rechtsextremer Messerstecher wuchs in einem Elternhaus linker Prominenter auf

Veröffentlicht am 7. Oktober 2022, 22:33 Uhr

Zürich: Ein rechtsextremer Messerstecher wuchs in einem Elternhaus linker Prominenter auf

Ein 22-Jähriger aus einer bekannten Zürcher Familie hätte im Juni 2020 beinahe eine Person erstochen. Gemäss einem Artikel in der «República» kursiert der Name des Angreifers im Internet.

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Nachdem ihn drei Personen aus der Gruppe aufgefordert haben, sein «White Lives Matter»-T-Shirt auszuziehen oder zu verschwinden, zückt Simon Bucher ein Messer und sticht auf ihn ein.

20min / Taddeo Cerletti

Der Fall wird im Juli 2022 vor dem Bezirksgericht Zürich verhandelt. Das Gericht reduzierte die von der Staatsanwaltschaft beantragte Haftstrafe von achteinhalb Jahren auf fünfeinhalb Jahre.

20min / Taddeo Cerletti

Der Prozess schlug keine großen Wellen, auch weil das Gericht weitreichende Auflagen zum Schutz der Anonymität des Angeklagten und seiner Familie gestellt hatte.

20min / Taddeo Cerletti

  • Im Juli 2022 wurde ein junger Mann wegen Messerstecherei und schwerer Verletzung eines Mannes verurteilt.

  • Das Gericht legte strenge Auflagen zum Schutz der Anonymität des Angeklagten und seiner Familie fest.

  • Nachdem die „República“ einen Artikel über den Fall veröffentlicht hat, kursiert der Name des Angreifers im Internet.

„White Lives Matter“: Im Juni 2020 wurde ein junger Mann vor einem Einkaufszentrum in Zürich mit einem T-Shirt-Slogan provoziert, der von amerikanischen Rassisten als Reaktion auf die „Black Lives Matter“-Bewegung kreiert wurde. Als er bemerkte, dass ihn eine Gruppe FCZ-Fans kritisch anschaute, kaufte er bei Coop einen Rasierer. Nachdem ihn drei Personen aus der Gruppe aufgefordert haben, sein Hemd auszuziehen oder zu gehen, zieht er sein Messer und sticht auf ihn ein. Ein 18-Jähriger wird schwer verletzt und muss sich mehreren Notoperationen im Krankenhaus unterziehen. Nur mit viel Glück überleben.

Der Fall wird im Juli 2022 vor dem Bezirksgericht Zürich verhandelt. Das Gericht reduzierte die von der Staatsanwaltschaft beantragte Haftstrafe von achteinhalb Jahren auf fünfeinhalb Jahre. Der Prozess schlug keine großen Wellen, auch weil das Gericht weitreichende Auflagen zum Schutz der Anonymität des Angeklagten und seiner Familie gestellt hatte. Diese ist wegen der Berühmtheit der Familie besonders schützenswert. Insbesondere darf kein identifizierender Hinweis auf ein kulturelles Projekt erfolgen, das der Beschuldigte mit seiner Familie produziert und veröffentlicht hat. Kommen die Medien den Auflagen nicht nach, drohen Bußgelder oder gar der Entzug der notwendigen Akkreditierungen von Gerichtsberichterstattern bei Gericht.

Hass und Gewaltphantasien

Das Online-Magazin „Republik“ veröffentlichte den Fall vor wenigen Tagen mit mehr als 28.000 Zeichen. Unter anderem wurde die rechtsterroristische Ideologie, die „Simon Bucher“, wie ihn die „Repubblica“ nennt, im Netz verbreitet hatte, gründlich analysiert. Von Buchers 2430 Tweets wiesen 615 auf eine “eindeutige rechtsterroristische Ideologie” hin. So schrieb er beispielsweise, dass er sich mehr rechte Massenmörder wie Anders Breivik oder Brenton Tarrant wünsche und dass alle Antifaschisten hingerichtet werden sollten.

Oder dass weiße, heterosexuelle Männer die Vorherrschaft über die Welt haben sollten, dass Nicht-Weiße genetisch und kulturell minderwertig sind und dass Frauen nicht wählen, sondern die Bedürfnisse der Männer befriedigen sollten. Laut einem Tweet rechnete Bucher mit einem Rassenkrieg: «Der Kulturkrieg ist dabei, in einen Rassenkrieg auszuarten, cool. Es geht nicht um Klassen oder Klassenkampf, liebe Marxisten, es geht um Rasse und Rassenkampf.»

Auch Simon Bucher und sein Bruder sollen im Juni 2020 mit einer Machete eine 200 Jahre alte Linde im Rieterpark gehackt haben, die gefällt werden musste. Der Schaden betrug 70’000 Franken. Im selben Monat fällten sie im Belvoirpark auch eine junge Buche im Wert von 5000 Franken. Auch Simon Bucher hat mehrfach Marihuana konsumiert und mit seinem Bruder mehr als 120 Gramm verkauft. Daneben habe Bucher auch Methamphetamin und Thai-Pillen, eine Mischung aus Methamphetamin und Amphetamin, verwendet. Mit seinem besten Kollegen, ebenfalls Zürcher Promi-Sohn, stahl Bucher auch 2019 mehrfach das Fahrzeug seines Vaters und fuhr trotz Lernfahrausweis ohne Begleitung durch Zürich.

Der Kriminalbeamte der Stadtpolizei befürchtet einen Mord

Gemäss den der «Republik» vorliegenden Ermittlungsakten war die Polizei der Stadt Zürich alarmiert: Sie kam zum Schluss, dass Bucher seit 2019 ein «fremden- und menschenverachtendes Weltbild» aufgebaut habe, «eine deutliche und tiefe Radikalisierung durchgemacht habe» “. und eine „rassistische Einstellung”, die sie verinnerlicht haben. Wie ein Kriminalbeamter schrieb, gebe es eine „ernsthafte Befürchtung und Vermutung”, dass der Mann erneut „eine ähnliche Tat begehen“ oder „schlimmer noch, einen Mordversuch“ begehen könnte.

Obwohl sich die „Republik“ des Artikels an die Auflagen des Gerichts hält, Pseudonyme verwendet und die Identität des Angeklagten und seiner Familie geheim hält, kursiert der Name des Angeklagten seit Freitag in den sozialen Medien. Vor allem auf Twitter bemängelten viele Nutzer, dass die Strafe des Täters zu gering ausgefallen sei. Das liegt wohl daran, dass Simon Bucher aus einer wohlhabenden und bekannten Zürcher Familie stammt.

In der Kommentarspalte von „Republik“ äußern mehrere Leser eine deutliche Kritik: „Und heute Morgen, 24 Stunden nach der Veröffentlichung, weiß jeder, wer Simon Bucher ist. Überall das Wohlergehen eines befriedigten Voyeurismus. Egal, ob es ein Akt ist.“ von links oder extrem rechts, religiös oder terroristisch – sollte wirklich die ganze Familie verspottet werden, wenn ein Kind aus den Fugen gerät, liebe Republik?”

Die Familie von Simon Bucher hat auf eine 20-minütige Anfrage noch nicht reagiert.

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