Die Fallstricke und Fallstricke der Hydraulik

Im Tiroler Kühtai, rund 40 Kilometer westlich von Innsbruck, entsteht ein neues Pumpspeicherkraftwerk und Speicher als Erweiterung einer bestehenden Anlage des Tiroler Landesenergieversorgers TIWAG, kurz Tiroler Wasserkraft AG. Das Projekt auf über 2.000 Metern über dem Meeresspiegel kann als riesig bezeichnet werden: Der neue Stausee wird ein Volumen von 31 Millionen Kubikmetern Wasser und eine Höhe von 113 Metern (von der Talsohle bis zum oberen Teil der Staumauer) haben ).

Der neue Speicher Kühtai wird über einen Tunnel mit einem Durchmesser von 4,5 Metern mit dem doppelt so großen Bestandsspeicher Finstertal verbunden, das Kraftwerk selbst liegt vollständig unterirdisch. Zwei Turbinen sollen dafür sorgen, dass Energie nicht nur erzeugt, sondern auch gespeichert werden kann: Zur Erzeugung fließt Wasser aus dem oberen Finstertaler Stausee in Richtung Kühtai, zur Speicherung kehrt die Drehrichtung der Turbinen und des Wassers um gepumpt wird. mit überschüssiger Energie, so dass sie dann wieder zur Energiegewinnung genutzt werden kann, wieder abgelassen werden.

ORF.at/Christian Öser Der Dammboden muss gezielt präpariert werden, damit der Damm auch hält

Auch die Dimensionen im Innern des Berges sind beeindruckend: Die Höhle für die Turbinen und Generatoren soll etwa 45 Meter hoch sein, das obere Drittel der Höhle wird derzeit gebaut und ausgegraben. Auch die Sohle der Natursteinschüttung befindet sich im Bau, das gesamte Dammschüttungsmaterial wird vor Ort gewonnen, einerseits aus dem Bau des Tunnels, andererseits aus dem Aushub desselben Reservoirs, sagt Projektleiter Klaus Feistmantl. . Einige Infrastrukturen wie eine 220-kV-Leitung sind bereits in Betrieb.

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Auch Wasserkraft ist im kleinen Maßstab möglich

Eine ganz andere Dimension hat die Stromerzeugung in der Gemeinde Assling in Osttirol. Fünf einfamilienhausgroße Wasserkraftwerke und vier Photovoltaikanlagen versorgen im Netz der Genossenschaft Elektrowerk Assling rund 1.750 Menschen und rund 800 Kunden in der großflächigen Gemeinde mit Strom. (EWA). Die Genossenschaft gibt es seit 1927 und bei Bedarf wurde die Energieerzeugung immer wieder ausgebaut, sagt Geschäftsführer Harald Stocker.

Die Wasserkraftwerke liegen an zwei kleinen Bächen, das jüngste Kraftwerk im Jahr 2019 erzeugt mit einer Leistung von 495 kW etwa 2,7 Millionen kWh pro Jahr, das größte mit 2.550 kW 16,5 Millionen kWh pro Jahr. Hinzu kommen vier Photovoltaik-Großanlagen mit einer maximalen Leistung von je 500 kW. Zum Vergleich: Das Erweiterungsprojekt Kühtai soll zu den bestehenden 531 Mio. kWh weitere 216 Mio. kWh ermöglichen, wobei durch Effizienzsteigerung weitere 15 Mio. kWh zu erwarten sind.

ORF.at/Christian Öser Der Amphibienteich ist eine Ausgleichsmaßnahme zum Bau des Tagesspeichers, der sich unter der Planierung befindet.

Die 2019 fertiggestellte Oberstufe 2 in Assling auf rund 1.500 Metern Höhe habe inklusive des darüber liegenden Tagesspeichers mit einem Fassungsvermögen von rund 5.300 Kubikmetern etwa vier Millionen Euro gekostet, so Stocker weiter. Im Gegensatz zu den Vorgängerbauten wurde das Obergeschoss 2 mit Holz verkleidet, um sich besser in das Gesamtbild einzufügen. Allerdings mussten 3.000 Kubikmeter Beton durch enge Gassen transportiert und die Lkw-Fahrer per Funk koordiniert werden, um die enge Straße nicht zu behindern.

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Theoretisch ist Assling autark

Mit aktuellen Systemen sei Assling theoretisch energieautark, sagt Stocker. In der Praxis verkauft die Genossenschaft den gesamten Strom und kauft dann die benötigte Energie zurück. Der Strompreis bleibt unschlagbar günstig, da auch EWA vom Verkauf profitiert. Auch in der TIWAG ist der Strompreis relativ günstig, obwohl laut TIWAG auch eine „schmerzhafte“ Erhöhung bevorsteht. Tirol würde im Prinzip genug Strom für das Land selbst produzieren, aber nicht alle Kraftwerke gehören der TIWAG, sondern dem Verbund und den ÖBB.

Energieautarke Gemeinde Assling

Der Grund für den Verkauf des in Assling erzeugten Stroms ist einfach: Mangel an geeigneten Speichermöglichkeiten. Stocker erklärt, dass die Wasserkraft den Vorteil hat, 24 Stunden am Tag und CO2-neutral Energie produzieren zu können, der Energiebedarf aber nicht den ganzen Tag über gleich ist, sondern schwankt und morgens am Abend stark ansteigt wenig Nachfrage.

Das gilt auch für die Photovoltaik (PV), die mittags die maximale Leistung liefert; bei Überschuss muss die Energie abgeführt werden. Hier helfe der Tagesspeicher, sagt Stocker, denn damit könne Energie gespeichert werden, die zu anderen Tageszeiten gerade nicht genutzt werde, wie in Kühtai, wenn auch in ganz anderen Dimensionen. Insgesamt liefere die Wasserkraft am meisten Strom, und zwar kontinuierlich, aber die Ausbaumöglichkeiten in der Gemeinde seien nicht grenzenlos, so Stocker weiter.

Produktion und Verbrauch müssen ausgeglichen sein

Strom ist kein ganz einfaches Energieprodukt: Grundsätzlich muss die gleiche produzierte Menge verbraucht oder gespeichert werden, damit das Stromnetz stabil bleibt. Das Stromnetz muss auf einer einheitlichen Frequenz (in Europa 50 Hertz) gehalten werden: Wird mittags zu viel Strom ins Netz eingespeist, beispielsweise aus Photovoltaik, erhöht sich die Frequenz und es muss Strom aus dem Netz entnommen und verbraucht oder gespeichert werden . Umgekehrt sinkt die Frequenz, wenn nicht genug Strom im Netz ist.

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„Auch in Tirol wird es Windräder geben“

Da die Stromnetze in Europa alle miteinander verbunden sind, werden sie auch periodisch überwacht, um bei Abweichungen schnell stabilisierende Maßnahmen ergreifen zu können. Sowohl die EWA als auch das On-Demand-Kraftwerk Silz beim Kühtai können das regulieren: Mit seinen 500 Megawatt sei beispielsweise Silz in 140 Sekunden auf Volllast, sagt der Kühtaier Projektleiter Feistmantl. Nach Inbetriebnahme im Jahr 2026 soll das Kraftwerk Kühtai in 120 Sekunden von Erzeugung auf Speicherung umschalten können.

Zahlreiche Ausgleichsmaßnahmen sind notwendig

Abgesehen von Zahlen und Umfang sind die Herausforderungen für die Betreiber durchaus vergleichbar: Sowohl für Kühtai als auch für Tier 2 oberhalb von Assling wurden Ausgleichsmaßnahmen vorgeschrieben. In Assling wurde beispielsweise neben der Lagerhalle ein Amphibiensee angelegt. Das Tageslager selbst ist unsichtbar, weil es unterirdisch ist, nur eine Hütte mit WLAN-Router ist zu sehen: Die Bediener können die Anlage über das Internet steuern, die Honigmenge wird in den nahe gelegenen Bienenstöcken gemessen und die Daten ins Tal übertragen

Bauarbeiten der Staumauer Kühtai

Auch in Kühtai wurden Biotope für Amphibien errichtet, die Maßnahmen gehen aber auch räumlich noch viel weiter: Unter anderem wurden in Kühtai selbst spezielle Pflanzengemeinschaften auf die Zwischenheide, kleine Seggenriede, Meterquadrat am oberen Ende verpflanzt der Stausee, im Ötztal wurde die Ötztaler Ache auf drei Kilometern im Inntal restrukturiert und renaturiert und revitalisiert. Zwischen sechs und sieben Prozent des Gesamtvolumens des Projekts seien Ausgleichsmaßnahmen, sagt Projektleiter Feistmantl. Am Ende soll aber vom Kraftwerk aus nur der See zu sehen sein.

Beide Betreiber erklären, dass es strenge Vorgaben gibt, etwa wie viel Wasser zu welcher Jahreszeit den Bächen entnommen werden darf: Im Kühtai wird Wasser aus sechs Talsperren im Ötztal und Stubaital aus einer Entfernung von bis zu 25 umgeleitet , Kilometer. Bei beiden Projekten wurde untersucht, inwieweit der Eingriff in die Natur eingegriffen hat.Beim Projekt Kühtai dauerte der gesamte Prozess bis zur endgültigen Genehmigung von 2006 bis 2019. Laut Stocker ist der Genehmigungsprozess komplex.

Tirol ist führend in der Wasserkraft

Tirol ist führend bei der Wasserkraft, obwohl Öl mit 41 Prozent den Energiemix in Tirol dominiert. 22 Prozent entfallen auf Wasserkraft, 15 Prozent auf Holz, sechs Prozent auf sonstige erneuerbare Energien und zwei Prozent auf Kohle, heißt es auf Anfrage der Tiroler Landesregierung. Im Jahr 2050 soll Wasserkraft nach den Plänen 46 Prozent des Energiemixes ausmachen, gefolgt von Holz und Photovoltaik mit jeweils 19 Prozent, wenn das Land seinen Energiebedarf zu 100 Prozent aus heimischen erneuerbaren Energiequellen decken will, darunter auch Windenergie. deshalb. In Tirol ist das kein Problem, es sollte einen Teil haben.

Neben der Wasserkraft muss auch die Photovoltaik in Tirol stark ausgebaut werden. Bis 2021 seien bereits mehr als 2.000 neue Anlagen ans Netz gegangen, ein Plus von 22 Prozent, so die Landesregierung. Gleichzeitig muss der Energiebedarf bis 2050 um 37 Prozent gesenkt werden, beispielsweise durch Gebäudesanierung und neue Technologien. Im Bereich Mobilität ist das Einsparpotenzial mit 65 Prozent größer.

Assling spart schon Energie, sagt Stocker, und wegen der Preise macht man es selbst. Durch den Umstieg auf Wärmepumpen in Neubauten und E-Autos wird der Strombedarf jedoch zunächst weiter steigen und damit auch die Nachfrage nach Kraftwerken wie Assling und Kühtai. Die Alternative dazu könne nur Verzicht sein, sagen Stocker und Feistmantl unisono. Diese ist aber nur bedingt mehrheitsfähig.

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