E-Bikes sind bei vielen verpönt. Aber das ist laut unserem Autor nicht unbedingt richtig. getty images/Westend61
Elektrofahrräder erlebten gerade auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie einen regelrechten Boom. Viele sind jedoch auch heute noch verpönt.
Vor allem junge Menschen halten das E-Bike-Fahren für ungesünder als herkömmliches Radfahren. Studien zeigen, dass assistiertes Radfahren noch gesünder ist.
Unser Autor hat sich vor einem Jahr ein Elektrofahrrad gekauft. Sie erklärt, was sich für sie im Alltag dadurch verändert hat, ob sich der Kauf lohnt, worauf zu achten ist und welche Antworten sie sich früher wünscht.
Sie sind schwer, teuer und eigentlich nur etwas für alte Leute. Das sind die Vorurteile, die viele, vor allem junge Menschen, gegenüber Elektrofahrrädern und Pedelecs haben. Gerade auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie erlebten Elektrofahrräder einen regelrechten Boom: Der Absatz von Elektrofahrrädern in Deutschland erreichte 2021 einen Rekord. Und: Die Nachfrage ist auch 2022 ungebrochen herkömmliche Zweiräder.
Auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis ist mir aufgefallen, wie groß die Skepsis gegenüber akkubetriebenen Fahrrädern ist. Immer wieder dominieren dieselben Kritikpunkte die Diskussionen: Man bewegt sich zu wenig, Fahrräder sind zu schwer und sperrig und damit unpraktisch, Akkus müssen ständig geladen werden und Fahrräder sind auch nicht sicher im Straßenverkehr.
Über diese Punkte habe ich mir auch Gedanken gemacht, bevor ich mein E-Bike gekauft habe: Ich war skeptisch, ob ein Pedelec das Richtige für mich ist. Aber eins kann ich euch jetzt schon sagen: Ich habe die Kaufentscheidung bis heute nicht bereut. Es gibt jedoch ein paar Dinge, die ich gerne vor dem Kauf gewusst hätte, was meine Entscheidung wahrscheinlich leichter gemacht hätte. Ich habe für Business Insider geschrieben, welche Erfahrungen ich bisher mit meinem E-Bike gemacht habe und was ich gerne früher gewusst hätte.
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Komme ich mit dem E-Bike ins Büro, ohne ins Schwitzen zu kommen?
Ausgangspunkt meiner Überlegungen zur Anschaffung eines E-Bikes war, dass ich jahrelang mit einem herkömmlichen Fahrrad zur Arbeit gefahren bin (ca. 17 km, eine Stunde Hin- und Rückfahrt), immer das völlig verschwitzte Büro erreicht habe. Gerade im Herbst und Winter, wo ich bei eisigen Temperaturen besonders morgens und abends sehr warm einpacken musste, fand ich es sehr unangenehm, mit einem dicken Wollpullover und ähnlichem zu kämpfen. Wechselklamotten als Alternative mitzubringen hat mich leider auch nicht wirklich überzeugt. Aber hält dich ein E-Bike wirklich davon ab, ins Schwitzen zur Arbeit zu kommen?
Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Ja. Dies gilt insbesondere dann, wenn Sie nichts auf dem Rücken tragen müssen, wie z. B. einen Rucksack (den ich immer in meinem Fahrradkorb habe). Natürlich ist es nicht so, dass sich Ihr Körper während der Fahrt nicht erwärmt. Je nach eingestellter Tretunterstützung kommen Sie auch bei Gegenwind oder Steigungen meist erholt zur Arbeit.
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Wie gesund ist E-Bike fahren?
Viele haben gefragt, warum ich Fahrrad fahre, wenn ich mich kaum bewege. Normales Radfahren ist viel gesünder. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Radfahren im Allgemeinen das Herz-Kreislauf-System anregt und das Wohlbefinden verbessert. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen, sich täglich mindestens 30 Minuten mäßig zu bewegen, um fit zu bleiben, und betont, dass „jede Übung für die Gesundheit zählt“. Aber funktioniert das auch beim E-Bike fahren?
Die Forschung kommt zu überraschenden Ergebnissen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass es sogar gesünder sein kann, mit einem Elektrofahrrad zu fahren als mit einem normalen Fahrrad. Denn mit einem E-Bike legt man tendenziell mehr Kilometer pro Fahrt zurück als mit einem herkömmlichen Rad – fast doppelt so viel. Ein normaler Radfahrer legt durchschnittlich 4,8 Kilometer pro Strecke zurück, während jemand auf einem E-Bike durchschnittlich 9,4 Kilometer zurücklegt. Wenn andere Pausen einlegen müssen oder mit Erschöpfung zu kämpfen haben, können Pedelec-Fahrer weiterfahren.
E-Bike-Besitzer nutzen ihr Fahrrad tendenziell auch häufiger. Einfache Fahrräder hingegen werden zum Pendeln mit dem Auto, insbesondere für längere Strecken, aus Bequemlichkeitsgründen bevorzugt. In vielen Studien waren Teilnehmer mit einem Elektrofahrrad am Ende sogar fitter als diejenigen mit einem herkömmlichen Fahrrad.
Fettverbrennung, Hormonhaushalt und Vitamin D
Indem Sie die verschiedenen Unterstützungsstufen steuern, haben Sie letztendlich die Kontrolle darüber, wie stark Sie in die Pedale treten und sich selbst pushen möchten. Gerade junge Menschen und bereits Sportler werden tendenziell schneller fahren und ihr Herz-Kreislauf-System mehr trainieren. UND: Da Ihre Herzfrequenz beim E-Bike-Fahren durch die Motorunterstützung niedriger ist, bleiben Sie eher in der Fettverbrennungs- als in der Cardio-Zone. Eine Studie aus Basel zeigte, dass auch Untrainierte und Übergewichtige gesundheitlich von Elektrofahrrädern profitieren können.
Ein weiterer Faktor, der ein E-Bike gesund macht, ist frische Luft. Der Vitamin-D-Haushalt wird durch Sonneneinstrahlung und der Hormonhaushalt (insbesondere das Glückshormon Serotonin) durch Bewegung gestärkt, was der Psyche gut tut. Vitamin D sorgt zusammen mit anderen Vitaminen für gesunde Knochen, Nerven und ein starkes Immunsystem. Serotonin kann Depressionen vorbeugen und helfen, im Alltag weniger stressanfällig zu sein. Außerdem habe ich das Gefühl, dass das assistierte Fahren einerseits meinen Kreislauf ankurbelt, andererseits komme ich, weil ich nicht ganz erschöpft bin, morgens fitter ins Büro. E-Bike fahren hat zwar etwas mit Komfort zu tun, aber definitiv nichts mit Unsportlichkeit und ist auch noch gesund.
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Ist es die Kosten wert?
E-Bikes oder Pedelecs sind deutlich teurer als normale Fahrräder. Experten sagen, dass es sehr gute Laufräder erst ab 3500 Euro gibt. Allerdings kommt es darauf an, wofür man sein Fahrrad nutzt. Günstige Alternativen gibt es zwischen 1000 und 1300 Euro, was für normale Fahrten in der Stadt durchaus ausreichen kann. Ich selbst fahre seit über einem Jahr in einem der günstigeren Modelle durch die Stadt – das ganze Jahr über mehrere Tage die Woche.
Hinzu kommen allerdings die Stromkosten für das regelmäßige Aufladen der Batterie. Ob sich das für Sie finanziell lohnt, hängt auch ganz davon ab, wie viel und wo Sie fahren. Und vor allem: wenn Sie andere Ausgaben für Transportmittel haben. Bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von 3000 Kilometern pro Jahr und einem Strompreis von 37,30 Cent pro Kilowattstunde komme ich auf Kosten von 223,80 Euro pro Jahr.
Vergleich: Ein Jahresabonnement für die öffentlichen Verkehrsmittel wäre für mich mit 761 Euro pro Jahr deutlich höher. Für mich geht die Kosten-Nutzen-Rechnung so oder so auf. Den Energieverbrauch Ihres E-Bikes können Sie mit verschiedenen Stromkostenrechnern ermitteln. Gut zu wissen, dass Sie die Fahrtkostenpauschale sowohl für herkömmliche Fahrräder als auch für E-Bikes in Anspruch nehmen können.
Wie sicher ist das E-Bike?
Die Sicherheit von Pedelecs im Straßenverkehr ist vielleicht eine ihrer größten Schwächen. Laut Statistik ist das Unfallrisiko mit E-Bikes deutlich höher. Im Jahr 2021 ist die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Elektromotorräder deutlich gestiegen, obwohl das Verkehrsaufkommen wegen Corona deutlich geringer war. Das liegt aber auch am Alter der Opfer: Personen, die auf einem Pedelec verletzt oder getötet wurden, waren im Schnitt 55 Jahre alt, auf einem nicht motorisierten Fahrrad hingegen mit 41 Jahren deutlich jünger. Ältere Menschen werden bei einem Sturz häufiger schwer verletzt oder getötet als jüngere.
Gerade ältere Menschen dürften von der höheren Geschwindigkeit der Pedelecs überfordert sein. Schlechtere körperliche Verfassung, langsamere Reaktionszeit, geringere Flexibilität sowie vermindertes Seh- und Hörvermögen erhöhen das Unfallrisiko erheblich. Außerdem wird eine ältere Person in der Regel schwerer verletzt als eine junge Person. Die ältere Generation, derzeit noch die größte Zielgruppe für E-Bikes, ist oft ohne Fahrradhelm aufgewachsen. Bis heute sterben Menschen bei diesen Unfällen an Kopfverletzungen. Ein Fahrradhelm ist daher Pflicht.
Generell hängt die Sicherheit eines E-Bikes maßgeblich vom Nutzer ab. Das führt nicht zu weniger Unfällen…