Migration: Deutschland liegt bei Asylanträgen in der EU an erster Stelle

Exklusive Nummern im Ausland

In keinem anderen EU-Land sind so viele Asylanträge eingegangen wie in Deutschland

Ab: 4:25 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Seit Jahresbeginn haben 190.749 Menschen in Deutschland einen Asylantrag gestellt

Quelle: Patrick Pleul/Picture Alliance/dpa/dpa Zentralbild

Laut einem vertraulichen „Lagebericht“ ist die Zahl der Asylanträge in Deutschland um 57 Prozent gestiegen. 2022 waren es insgesamt 190.000 Anträge. Viele von ihnen kamen illegal nach Deutschland, vor allem auf zwei Wegen.

Deutschland bleibt bei den Asylanträgen Spitzenreiter in der Europäischen Union. Laut einem vertraulichen „Lagebericht“ der EU-Kommission und des Europäischen Auswärtigen Dienstes vom 14. Dezember, der WELT vorliegt, haben seit Jahresbeginn 190.749 Menschen in Deutschland einen Asylantrag gestellt, 57 % mehr im Vergleich zu damals Zeitraum letztes Jahr. Es folgen Frankreich (115.820), Spanien (111.220), Österreich (106.554) und Italien (78.897).

Die Statistik macht auch deutlich, dass der Anstieg ab 2021 in Irland mit Abstand am stärksten war. Die Zahl stieg um 439 Prozent auf 12.804. Estland verzeichnete 2.716 Anträge, ein Plus von 365 Prozent, gefolgt von Österreich mit 202 Prozent.

Ungarn (43), die Slowakei (382) und Lettland (548) verzeichneten die wenigsten Asylanträge. Ukrainer sind in der Statistik größtenteils nicht enthalten, weil sie aufgrund des Krieges und Sonderregelungen seit März keinen Asylantrag mehr stellen mussten.

Die Asylsuchenden stammen hauptsächlich aus Syrien

Die meisten Asylbewerber in Deutschland kamen in diesem Jahr mit 27 Prozent aus Syrien, gefolgt von Afghanistan (17 Prozent), der Türkei (zehn Prozent), dem Irak (6,9 Prozent) und Georgien (vier Prozent).

Die Gründe für die erheblichen Unterschiede in der Zahl der Anträge in Bezug auf einzelne EU-Staaten sind vielfältig: Neben der geografischen Lage, wie im Falle Lettlands, sind dafür auch bestimmte Verwaltungsvorschriften in Ländern wie Ungarn verantwortlich.

Die ungarischen Behörden sind nicht daran interessiert, Migranten zu registrieren oder gar aufzunehmen, sondern nur mit Schutzsuchenden. Budapest verstößt damit gegen europäisches Asylrecht, ebenso wie einige andere Länder wie Griechenland und Italien.

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Nach offiziellen Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex war die wichtigste Route für illegale Einwanderung in diesem Jahr der Westbalkan. Im November wurden insgesamt 308.000 irreguläre Einreisen an den EU-Außengrenzen festgestellt, davon 45 % über den Westbalkan.

Die zweitwichtigste Migrationsroute war das zentrale Mittelmeer. Laut Frontex gab es fast 94.000 Sicherstellungen. Die drittwichtigste Route für illegale Migration war 2022 das östliche Mittelmeer mit den Ländern Griechenland, Türkei und Zypern.

Allerdings hat Griechenland an diesem Wochenende kriminellen Menschenhändlern einen schweren Schlag versetzt: Sicherheitskräfte konnten eine Schleuserbande zerschlagen, deren Mitglieder im Verdacht stehen, Migranten systematisch von Griechenland nach Westeuropa zu bringen. Derzeit wurden 18 mutmaßliche Mitglieder der Bande festgenommen.

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Nach Angaben griechischer Behörden hatten Schmuggler in den vergangenen Monaten Migranten vom Fluss Evros an der griechisch-türkischen Grenze nach Athen transportiert. Die Leute versteckten sich dann in der Unterkunft der Band und es wurden gefälschte Pässe für Flüge von Athen nach Westeuropa bereitgestellt. Das kostet den Angaben zufolge je nach Qualität der gefälschten Dokumente bis zu 5.000 Euro pro Person.

Laut Polizei boten die Schmuggler auch eine “günstigere” Route an: Die Migranten hätten ihre Reise von Athen über unwegsames Gelände nach Nordmazedonien beginnen und von dort aus fortsetzen können. Kosten in diesem Fall: 2000 Euro.

Schmugglerbanden bringen Migranten weiterhin über den griechisch-türkischen Grenzfluss Evros. Gelingt dies, werden die Personen von den griechischen Behörden nicht offiziell registriert, sodass sie im Falle einer Weiterreise in einem anderen EU-Land einen Asylantrag stellen können.

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