– Nun verbietet die FIFA auch die Schweizer Kapitänsbinde
Kurz vor WM-Start verbietet der Weltverband das Tragen einer Bandage mit Botschaft und will Verstöße mit Verwarnungen ahnden. Auch Granit Xhaka ist betroffen.
Veröffentlicht: 20.11.2022, 20:53
Nur Probleme bei der Fifa: Granit Xhaka trägt im Testspiel gegen Ghana die passende Kapitänsbinde.
Foto: Toto Martí (Freshfocus)
Es war als kleine Geste gemeint, aber selbst das geht der FIFA zu weit. Wie am Sonntagabend aus Fußballverbandskreisen in England und Deutschland zu hören war, verbietet der WM-Organisator den Kapitänen seiner Mannschaften das Tragen einer Bandage mit dem Slogan „One Love“. Wer sich widersetzt, soll mit einer Abmahnung gedroht werden. Grund: Verstoß gegen die offizielle Kleiderordnung. Die Ankündigung an die überraschten Teams erfolgte am Samstag.
Es ist nicht die erste textile Intervention des Weltverbandes kurz vor Turnierbeginn. Vor gut einer Woche hatte die Fifa der dänischen Delegation verboten, Trainingsshirts mit dem Aufdruck „Menschenrechte für alle“ zu tragen. Die FIFA lehnte auch ähnliche Anfragen anderer Verbände ab. Politische Botschaften duldet er nicht: Wenige Tage später propagierte Präsident Gianni Infantino einen Waffenstillstand in der Ukraine.
Nun folgt der Streit um „One Love“. Die Kampagne ist aus einer Initiative mehrerer europäischer Verbände unter Führung der Niederlande hervorgegangen und will sich für Inklusion einsetzen und bei der WM „ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen“. Das Logo bezieht sich auf einen Regenbogen, der ein Symbol der LGBTQ-Bewegung ist. Darüber hinaus enthält es auch Schwarz, eine panarabische Farbe, die in vielen Nationalflaggen der Region zu finden ist. Kritiker haben das Kampagnenlogo als Feigenblatt bezeichnet.
Regenbogen und ein bisschen panarabisches Schwarz – so sieht das „One Love“-Logo aus.
Foto: Schweizerischer Fussballverband
Auch der Schweizerische Fussballverband ist bei «One Love» dabei, Kapitän Granit Xhaka trug im Freundschaftsspiel gegen Ghana die Armbinde. Denn, wie er vor einigen Wochen sagte: „Als Team verteidigen wir Toleranz, Respekt und Solidarität und wollen alle daran erinnern, dass wir alle gleich sind und gleich behandelt werden wollen.“
Nachdem die Fifa dem Kapitän mit einer Verwarnung gedroht hat, sind Befürchtungen nicht unbegründet, dass die Schweiz wie andere Mannschaften Kapitän Xhaka im WM-Auftakt am Donnerstag gegen Kamerun daran hindern könnte – mit zwei Gelben Karten ist ein gesperrter Spieler. bei der WM.
Der Schweizerische Fussballverband teilte am Sonntagabend über Medienchef Adrian Arnold mit, dass der Verband bestehen bleibe. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bekennt sich zur „Eine-Welt“-Botschaft: „Wir stehen dazu, dass wir mit dem Zug aufgehört haben und unsere Position gegenüber der Fifa erneut übermittelt haben“, sagte der DFB-Präsident. Bernd Neuendorf, im Fernsehen. Sender ZDF.
Bereits am Montag droht sich die Affäre zwischen der Fifa und einigen der mächtigsten Fußballverbände der Welt zu verschärfen: Mit England, Holland und Wales nehmen gleich drei Mannschaften an „One Love“ teil.
David Wiederkehr ist stellvertretender Sportchef von Tamedia und schreibt seit 2000 über Sport. Seine Fachgebiete sind Fussball, Turnen und American Sports. Mehr Informationen
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