Parteitag der Bundespartei CDU Merz in Angriffsstimmung

Stand: 09.09.2022 19:21 Uhr

Angriffsabteilung: CDU-Chef Merz hat zum Auftakt des Bundesparteitags eine heftige Attacke auf die Regierung gestartet. Zur in der CDU umstrittenen Frauenquote, über die auf dem Parteitag abgestimmt wird, hat er sich nicht geäußert.

Zum Auftakt des Bundesparteitags seiner Partei in Hannover attackierte CDU-Chef Friedrich Merz die Bundesregierung und bekräftigte den Führungsanspruch seiner Partei. Bei der Begrüßung der rund 1.000 Delegierten sagte er, Deutschland sei in einer Zeit voller Krisen und vor einer möglichen Rezession „wahrscheinlich eine der schwächsten Bundesregierungen aller Zeiten“.

Präsident Merz eröffnet CDU-Bundesparteitag mit scharfer Kritik an Ampelkoalition

Marco Heuer, NDR, Tagesschau 15:00 Uhr, 9.9.2022

In der Energiekrise müsse Bundeskanzler Olaf Scholz Vollmachten aus dem Wirtschaftsministerium ins Bundeskanzleramt bringen, sagte Merz. Er warf Wirtschaftsminister Robert Habeck Inkompetenz vor: Deutschland könne sich ein “Praktikumsprogramm” für Wirtschaftsminister nicht leisten, und jemand im Amt brauche jemanden, der etwas davon verstehe.

Nur CO2 zu vermeiden, reicht nicht mehr aus

Um auf die Energiekrise zu reagieren, sollten alle Energieträger genutzt werden: Braunkohle, Kohle, “und natürlich die Kernenergie”, sagte Merz. Das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 ist jedoch mit heutigen Mitteln nicht mehr zu erreichen. Nur mit CO2-Vermeidung, wie bisher, wird es sicherlich nicht funktionieren.

„Dann müssen wir die Technologien nutzen“, sagte Merz und warb für einen entsprechenden Antrag des Parteivorstands. CO2 ist nicht nur als Treibhausgas zu verstehen, sondern auch als Rohstoff, es muss recycelt werden. „Was hält uns jetzt davon ab, modernste Technologien zu entwickeln, um klimaneutral zu sein?“ Deutschland sollte sich der Herausforderung stellen, diese Technologien zu entwickeln, möglichst mit seinen europäischen Nachbarn, aber „notfalls auch alleine“.

Am Nachmittag nahmen die Delegierten einen weiteren Vorzeigevorschlag des Parteivorstands an: Sie stimmten dafür, die Gassteuer abzuschaffen und die restlichen deutschen Atomkraftwerke in Betrieb zu halten. Der Gaszuschlag sei “handwerklich schlecht gemacht” und habe “eine soziale Schieflage”, hieß es in der Mitteilung. Sie würden private Haushalte und Unternehmen „unverhältnismäßig“ belasten. Weitere Voraussetzungen des Antrags sind eine Preisobergrenze für einen Gas- und Stromgrundbedarf für Privathaushalte sowie eine Energiepauschale von 1.000 Euro für Haushalte im unteren Einkommensdrittel.

Merz: Ich hätte den Export von Marder-Panzern genehmigt

Zum russischen Angriff auf die Ukraine warf Merz der Regierung erneut vor, nicht genug zu tun, um der Ukraine zu helfen. Merz zufolge hätte er in einer Regierung mit FDP und Grünen die Ausfuhrgenehmigung für 100 Marder-Panzer erteilt. Freiheit, Demokratie und Liberalität sind die höchsten Güter und müssen dafür bezahlt werden.

Die CDU habe dem Sonderfonds von mehr als 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr auch deshalb zugestimmt, weil sie eine Mitverantwortung für den Zustand der Truppe habe, räumte Merz ein. Er warf der SPD wegen ihrer Russlandpolitik “politische Korruption” vor.

„Niemals“ Zusammenarbeit mit der AfD

Merz erinnerte auch an den Vorfall mit Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas, als dieser Israel im Bundeskanzleramt von Bundeskanzler Scholz unanfechtbar mehrere „Holocausts“ an den Palästinensern vorwarf. Er hätte sich nie vorstellen können, dass es passieren könnte, dass die Kanzlerin nichts dagegen hat. Merz ging auch auf den documenta-Kunstausstellungsskandal in Kassel ein und forderte einen entschiedenen Kampf gegen Antisemitismus.

In diesem Zusammenhang hat er seine Ablehnung einer Zusammenarbeit mit der AfD auf allen politischen Ebenen bekräftigt. „Es wird niemals eine Zusammenarbeit mit dieser Partei geben“, sagte Merz.

Debatte über Frauenquote und Gesellschaftsjahr

Der Parteitag soll sich aber auch mit parteiinternen Themen befassen: Mit Spannung wird die Debatte über eine Frauenquote in der CDU erwartet, über die die Delegierten heute abstimmen werden. Merz erwähnte diesen Streitpunkt in der Partei in seiner Rede überhaupt nicht. Geplant ist auch eine Debatte über einen neuen obligatorischen Sozialdienst, das Jahr der Gesellschaft.

Die Delegierten haben bereits beschlossen, die Satzung zu ändern: Dadurch wurde der neue Posten des stellvertretenden Generalsekretärs geschaffen. Der Parteitag wählte die Bundestagsabgeordnete Christina Stumpp mit 89,6 Prozent auf den Posten. Merz hatte ihn für die Stelle vorgeschlagen. Insbesondere soll er sich um eine bessere Anbindung der Kreisverbände an die Parteizentrale in Berlin kümmern und diese im Kommunalwahlkampf unterstützen. Sie sehe sich als „Sprecherin auf kommunaler Ebene“ und wolle die Jugendarbeit der CDU stärken, sagte die gebürtige Baden-Württembergerin in ihrer Kandidaturrede.

Christina Stumpp aus Baden-Württemberg ist die erste stellvertretende Generalsekretärin der CDU. Die Geschäftsstelle wurde auf Wunsch von Merz durch Satzungsänderung geschaffen. Bild: EPA

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