Blasmusik spielt am Samstag gegen 9 Uhr vor dem Design Center Linz. “Country Roads” ist sein Song, ein Song über den Wunsch, nach Hause zu gehen. Auch die SPÖ Oberösterreich, die sich hinter den Türen des Zentrums zum Parteitag trifft, will „heimkehren“, also zu alter Stärke. Helfen soll dabei ein neuer Parteivorsitzender, der erstmals per Abstimmung gewählt wurde.
Denn in Oberösterreich stagniert die Sozialdemokratie. Bei der Landtagswahl vor einem Jahr holten sie nur ein Plus von 0,21 Prozent und erreichten damit 18,58 Prozent. Die beiden Wunschkandidaten an der Front blieben aus, ebenso wenig wie die Chance auf einen zweiten Staatsrat, laut Umfragen vorerst.
der Rest
Nach einem Streit mit den Gewerkschaften und einer gescheiterten Impfkampagne kam es im Februar schließlich zur Klammer: Birgit Gerstorfer musste als Parteivorsitzende das Feld verlassen. Sie bleibt als Staatsministerin im Amt. Am Samstag sollen nun die Weichen gestellt werden für eine „moderne Gründungsparty“, wie es in den vergangenen Monaten immer hieß. Oben: „Der jüngste Landesvorsitzende in der Geschichte der SPÖ Oberösterreich“ Michael Lindner.
Und er begab sich gleich zum Start der Veranstaltung: Mit ihm in der ersten Reihe die Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner, der Linzer Bürgermeister Klaus Luger und Gerstorfer. Gleich dahinter Andreas Stangl, Landeshauptmann von Oberösterreich. Arbeiterkammer. Country Manager Florian Koppler begrüßte sie. Die rund 800 Mitglieder und Delegierten stehen auf und applaudieren.
Und dann nimmt er Platz. Rede auf Rede folgt aufeinander. Luger „der Besitzer der Stahlstadt“ – wie es heißt – startet, einerseits weil er noch das Bier am Urfahraner Markt zapfen muss, andererseits ein Zeichen, weil das Verhältnis zwischen der Landes-SPÖ und der Linzer SPÖ ist seit 2016 zerbrochen: „Alle roten Abgeordneten des Linzer Stadtsenats werden im Landesparteivorstand vertreten sein“, freut er sich über die Wiedervereinigung, er selbst werde als einer der Stellvertreter Lindners fungieren.
Rendi-Wagner bestraft die Regierung
Und auch die Arbeiterkammer scheint sich wieder gut zu verstehen, denn Stangl war der nächste. Er fordert ein eigenes Arbeitsministerium im Land: „Wir haben immer noch eine fremdenfeindliche Koalition aus Ibiza in Oberösterreich“, prangert er weiter an. Bevor „Dear Pam“, wie er sie nennt, die Regierung auf der Bühne bestraft: „Krisen sind immer eine Prüfung. Die aktuelle Bundesregierung und die oberösterreichische Landesregierung sind damit nicht einverstanden.“ Am Ende seiner Rede lobte er Lindner jedoch für Anstand, Weitsicht und Leichtsinn.
Unter der Rockmusik wurde es schließlich auf das Rednerpult gelegt: „Die SPÖ Oberösterreich schlägt heute ein neues Kapitel auf und am Ende davon möchte ich in ein paar Jahren folgendes lesen: Endlich vereint und mit klarer Linie, der SPÖ ist es gelungen, die Zahl ist eins.“ Das wird laut Lindner nicht einfach, sondern „eine knallharte Bergstrecke. Aber wer nicht atmet, kommt nicht hoch“.
„Die ÖVP kann nur Machtpolitik machen“
In seiner Rede ließ er alle aktuellen politischen Themen Revue passieren: „Immer mehr Menschen stehen bis zum Hals im Wasser, aber Stelzer tut nichts und das ist unerträglich“, sagt er über die Inflation. Die Energiewende würde „ruhen“, die Möglichkeit der neuen Technischen Universität Linz „scheitern“ durch die Landesregierung. “Die einzige Politik, die sie beherrscht, ist die Politik der Macht.” Außerdem würde es ein „verstaubtes Modell“ darstellen. „Auch wenn ich ein Mann bin, will ich ein faires Oberösterreich“, sagt Lindner.
Er will Politik für die Arbeiterklasse unserer Gesellschaft machen. „Ich möchte den Leuten zeigen, dass wir auf dem Feld sind. Gehen, rennen und kämpfen für sie, bis wir unsere Füße nicht mehr spüren.“ Er bekommt dann mehr Applaus als Rendi-Wagner. Und der Rückhalt für die Partei macht sich auch im Ergebnis bemerkbar: Lindner erhielt 95,94 Prozent der Stimmen der Mitglieder, die vom 3. bis 28. September erstmals im Parteivorsitz wählen konnten. Die Wahlbeteiligung lag jedoch nur bei 46 Prozent, 11.000 von 25.000 Mitgliedern stimmten ab.