Bei voller Fahrt kann man aus dem neusten Modell Silence noch etwas mehr herausholen, allerdings nur für 30 Sekunden.
Der Elektroroller fällt in die Kategorie der 125-ccm-Motorräder. Zum Fahren benötigen Sie einen A-Führerschein oder einen B-Führerschein mit zusätzlicher Prüfung der Vorwahl 111
Der spanische Elektroroller-Hersteller Silence hat mit dem S01+ eine neue Version seines Bestsellers S01 auf den Markt gebracht. Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei dem Fahrzeug um eine leicht verbesserte Version des Scooters, den ich letztes Jahr testen durfte. Auch der Elektroauto-Händler G-Electric hat futurezone den S01+ zum Testen zur Verfügung gestellt.
Motor, Bremsen, Federung neu
Die bemerkenswertesten Änderungen des S01+ gegenüber dem S01 sind optischer Natur, aber es gibt auch einige technische Extras. Die Motorleistung wurde von 0,5 kW auf 7,5 kW gesteigert, die Hinterradfederung lässt sich nun per Drehschalter in drei Stufen einstellen. Die Bremsen wurden verbessert und es gibt einen neuen Fahrmodus namens Push to Pass (P2P), dazu später mehr. Alles wird von der gleichen herausnehmbaren 5,6-kWh-Batterie wie beim Vorgängermodell angetrieben. Eine neue Funktion des S01+ ist die Verbindung zu einer speziellen App namens My Silence.
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Wilder Stier und Packesel zugleich
Beim Fahren merkt man kaum einen Unterschied zum S01. Der S01+ hat grundsätzlich seine 3 Fahrmodi (Eco, City, Sport) sowie einen Rückwärtsgang und saust mit Highspeed durch die Stadt. Der “Gas”-Griff ist ungestüm. Wenn Sie über unebenes Gelände fahren, bewegt sich das Motorrad aufgrund der präzisen Signalübertragung zum Motor wie ein spanischer Stier – naja, zumindest ein kleiner. Generell fühlt man sich auch zu zweit sehr wohl auf der Straße. Wie beim S01 ist das Platzangebot unter dem gut gepolsterten Sitz beeindruckend. Zwei Rucksäcke oder Einkaufstaschen zu machen funktioniert super.
Blinken nervig
Neben den bekannten Stärken hat sich Silence auch beim S01+ ein nerviges Feature bewahrt: das akustische Blinksignal. Was den Fahrer daran erinnern soll, den Blinker nicht ständig eingeschaltet zu lassen, kann Passanten erschrecken und die Verwendung des Blinkers auf ein Minimum reduzieren.
Dass man die Federung beim S01+ einfach einstellen kann ist nett, wird aber in der Praxis selten genutzt. Der Push-to-Pass-Modus wird wahrscheinlich ebenso oft aktiviert, ist aber ein lustiger Trick.
Drücken Sie zum Übergeben
Sie können sich den P2P-Modus als eine Art “Turbo Boost” vorstellen. Genau wie KITT in Knight Rider können Sie während der Fahrt einen kleinen zusätzlichen Schub bekommen. Beim S01+ müssen Sie sich im Sportmodus befinden, den Gashebel mehr als zur Hälfte drehen und die Modustaste drücken. Für 30 Sekunden bekommt man noch mehr Power, je nach Gegenwind erreicht man eine Geschwindigkeit zwischen 100 und 110 km/h. Nach 30 Sekunden ist der Spaß jedoch vorbei und man wird plötzlich auf Sportmodusgeschwindigkeiten (knapp 100 km/h) gedrosselt.
P2P wurde entwickelt, um Manöver auf Landstraßen voranzutreiben. Allerdings fühlt sich das Silence bei Geschwindigkeiten über 90 km/h generell nicht so komfortabel an wie in der Stadt. Seitenwind schüttelt den Fahrer durch und die Reichweite sinkt schnell. Ein Beispiel: Eine Fahrt von Wiener Neustadt nach Wien über eine Distanz von 45 Kilometern reduziert den Batterieladezustand um 80 Prozent. In Gegenrichtung wurden dank Rückenwind jedoch nur 50 Prozent genutzt.
Beginnen Sie mit der Nutzung der App
Neu beim Silence S01+ ist eine On-Board-Unit mit SIM-Karte, über die der Scooter mit der My Silence App verbunden wird. Wenn Sie es auf Ihrem Smartphone installieren, scannen Sie einfach einen QR-Code auf der Unterseite des Sitzes und schon kann es losgehen. Leider funktionierte die Verknüpfung bei meinem Test nicht, da das Motorrad bereits mit einem anderen Smartphone verknüpft war. Normalerweise sollte die App aber die Position des Fahrzeugs abfragen, den Ladezustand prüfen, Nutzungsstatistiken inklusive CO2-Ausstoß einsehen und den Scooter aus der Ferne starten können.
Fazit und Preis
Der Silence S01 ist bereits ein hervorragender E-Scooter für die Stadt, der S01+ ist wirklich noch einen Tick besser. Es sieht besser aus, hat eine Art Turbo Boost, etwas mehr Leistung, etwas bessere Bremsen und eine App-Anbindung. Der Stauraum ist großartig, ebenso wie die Möglichkeit, die Batterie aus dem Fahrzeug zu entnehmen und zur heimischen Steckdose zu bringen.
Negatives findet man am Silence S01+ kaum. Eine zu ungestüme Gasannahme spricht vielleicht nicht alle Fahrer an, Blinkergeräusche können nerven und ein kleines Staufach unter dem Lenker fehlt. Insgesamt ist es aber ein sehr gutes E-Bike, wenn man es sich leisten kann.
Der Kauf des Silence S01+ bei G-Electric kostet 8.780 Euro. Ein Zuschuss kann beantragt werden, dann sind es 8.080 Euro. Im Vergleich zum Silence S01 zahlt man allerdings knapp 2.000 Euro mehr. Lohnt sich die Änderung in Optik, P2P-Modus, App und 0,5 kW mehr Motorleistung? Jeder muss für sich selbst entscheiden.