AR-Spiele wie „Pokémon Go“ hatten es in den letzten Jahren nicht leicht.
Niantik
Sechs Jahre sind seit der Veröffentlichung von „Pokémon Go“ vergangen. Damals sprach man von einem Pionier neuer Handyspiele. Heute scheint alles etwas anders zu sein.
Tausende Menschen gingen im Sommer 2016 auf die Straße und gingen mit ihren Handys auf Pokémon-Jagd. Besonders eifrige Sammler rüsteten sich mit diversen Powerbanks aus, um der Batteriethematik entgegenzuwirken. Sie haben mit völlig Fremden in den Parks geplaudert, bevor Sie an den verschiedenen Haltestellen Ihren Vorrat an Pokébällen aufgefüllt haben. Damit hat Augmented Reality (AR) die Massen erreicht.
Die Verbindung zwischen der realen und der digitalen Welt war für viele Nutzer Neuland, weshalb das Spiel so viele Menschen begeisterte. Aber während sich das Spiel in den Jahren seitdem weiterentwickelt hat, sind heute nur noch eingefleischte Pokémon-Jäger in Städten zu finden.
Der Hype ist vorbei, aber „Pokémon Go“ war definitiv kein Misserfolg. Das Spiel hat seit seiner Veröffentlichung mehr als drei Milliarden Dollar in die Kassen der Niantic-Entwickler gepumpt. Bislang sind die Verkaufszahlen noch stabil, da die verbliebenen Spieler auch gerne für zusätzliche Ingame-Items aus dem Portemonnaie zücken.
„Pokémon Go“ wurde jedoch nicht zum erwarteten Vorreiter. Andere AR-Spiele, die auf einem ähnlichen Spielkonzept basieren, konnten nicht einmal mit dem Erfolg von „Pokémon Go“ mithalten. Und das, obwohl die Entwickler auch auf bekannte Franchises wie „Harry Potter“, „Minecraft“ oder „Jurassic Park“ zurückgriffen.
Die äußeren Faktoren stimmen
Aber was ist passiert? Was haben die Entwickler falsch gemacht, dass man diesen Hype nicht für neue Blockbuster nutzen konnte? Das Spielen an der frischen Luft ist auch sechs Jahre später noch ein zeitloses Versprechen. Vor allem in einem Sommer wie diesem. Zudem haben sich seit der Lancierung von «Pokémon Go» diverse externe Faktoren kontinuierlich verbessert. 2016 war beispielsweise 5G in der Schweiz noch keine Standard-Mobilfunkabdeckung. Bessere Akkus und Chips machen auch mobiles Spielen immer angenehmer.
Allerdings hat Niantic, immerhin führender Entwickler von AR-Spielen und ehemalige Google-Tochter, zuletzt rund 90 Stellen gestrichen und zahlreiche Spieleprojekte ausgesetzt, wie “Bloomberg” berichtet. Der Grund für den Umzug war vage: sich stärker auf die wichtigsten Prioritäten zu konzentrieren.
Dass auch sie in den letzten Jahren unter Corona gelitten haben, muss man den Entwicklern sicherlich zugute halten. Im Gegensatz zur virtuellen Realität bringt Augmented Reality eher Menschen und die Natur zusammen. Es ist nicht gerade das, was auf dem Höhepunkt der Pandemie gefordert wurde. Und doch wäre es ein bisschen zu abgedroschen, Covid allein für die Entwicklung von AR-Spielen verantwortlich zu machen.
Wenn Niantic von zentralen Prioritäten spricht, können sie auch bedeuten, die Qualität von AR-Spielen zu steigern. Denn auch wenn „Pokémon Go“ ständig weiterentwickelt und diverse Modi und Multiplayer-Erlebnisse in das Spiel integriert wurden, blieb es am Ende das banale Spiel, das es schon immer war. Sie werfen Bälle auf zufällig spawnende Pokémon mit denselben Clearing-Moves. Hunderte, tausende Male. Wer weiterhin aktiv „Pokémon Go“ spielt, wird dies kaum aus diesem Grund tun, sondern eher aus dem Wunsch heraus, Wettkampfgedanken zu sammeln.
Andere AR-Spiele sind in dieser Hinsicht nicht viel weiter. Mit „AR Basketball“ werfen Sie nach dem gleichen Prinzip einfach Basketbälle statt Pokébälle in die Luft und mit Shootern treffen Sie Ziele, die sich dank der mobilen Kamera in unserem Garten oder an den Bahnhofsbussen etwas realer anfühlen Genau genommen ist die Mechanik dieser Spiele jedoch genauso fortschrittlich wie die Arcade-Automaten der 1980er Jahre.
Nichts weiter als ein Marketing-Gag?
Wenn wir es kritisieren wollen, ist es auch fair zu sagen, dass AR Pokemon Go nicht einmal so erfolgreich gemacht hat. Anfangs hat es Spaß gemacht, ein paar Screenshots von Pokemon zu machen, die in den nahen Büschen oder vielleicht auf einem Liegestuhl sitzen, aber die meisten Spieler haben sich nach spätestens 10 Minuten verabschiedet. Auch deiner Batterie zuliebe. Die AR war eher ein Marketing-Gag als eine eigentliche Spielverbesserung.
Vielmehr waren es die GPS-Technologie und Googles enorme Datenmengen, die „Pokémon Go“ zu einer neuen Art der digitalen Jagd machten. In dieser Hinsicht haben AR-Spiele einen viel längeren Weg vor sich, als Sie vielleicht denken. Während AR im Bereich Einkaufen und Bildung bereits gute Arbeit leistet, ist Augmented Reality vielleicht nicht der heilige Gral des Gamings, sodass Niantics Bemühungen eher in Richtung Metaverse gehen könnten.