Seit ihrem Medizinstudium in Turin interessiert sich Simona Saluzzo für neue Medikamente und Immuntherapien; Die damit verbundene Wissenschaft war für den Italiener sofort faszinierend, wie er gegenüber science.ORF.at erklärt: „In diesem Bereich gibt es einfach viel mehr zu verstehen und zu lernen. Das Potenzial ist groß, gerade bei Krankheiten wie Krebs.“
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Deshalb war Saluzzo schon in Turin klar, dass sein Wunsch, Arzt zu werden, nicht ausreicht. Vor elf Jahren begann er ein Doktoratsstudium an der Medizinischen Universität Wien im Bereich Immunologie. Nach Abschluss und weiteren Recherchen ging sie auch ihrem Wunsch nach, Ärztin zu werden. Der Immunologe befindet sich derzeit in Weiterbildung zur Fachärztin an der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien. „Ich bin sehr glücklich hier, wir haben wirklich eine fantastische Kombination aus Grundlagenforschung und klinischer Arbeit im Krankenhaus“, sagt Saluzzo.
Bis zu 34-mal höheres Risiko
In seiner Forschungsarbeit beschäftigt sich Saluzzo seit einigen Jahren mit einem besonderen Thema: dem Zusammenhang zwischen HIV-Infektionen und dem erhöhten Risiko, an verschiedenen Krebsarten zu erkranken. „Menschen, die mit HIV infiziert sind, haben tendenziell häufiger Haut- und Organtumore“, erklärt der Immunologe.
Saluzzo wollte mehr wissen. Seine anschließenden Forschungen zeigten unter anderem, dass das Risiko für bestimmte Krebsarten besonders bei HIV zunahm. „Dazu gehören zum Beispiel Anal- oder Gebärmutterhalskrebs, die ebenfalls durch das Humane Papillomavirus (HPV) verursacht werden.“
MedUni Wien/feelimage Simona Saluzzo untersucht am AKH Wien den Zusammenhang zwischen HIV-Infektionen und Krebs
HPV hat das sogenannte onkogene Potential; Daher können bestimmte Subtypen des Virus Krebs verursachen. Neben Gebärmutterhals- und Analkrebs sind sie auch mit Penis- oder Oropharynxkrebs verwandt. Wenn HIV-infizierte Männer dem Papillomavirus ausgesetzt sind, steigt ihr Risiko für diese Krebsarten um das 34-fache und für Frauen um das sechsfache.
Impfung gegen HPV als Prävention
Um dies zu vermeiden, kann bereits im Kindesalter vor Papillomaviren geschützt werden. Eine HPV-Impfung in Schulen gebe es zwar schon, doch werde sie noch zu selten eingesetzt, sagt Saluzzo: „HPV ist ein Virus, das jeder, der Sex hat, irgendwann bekommt unbedingt notwendig für alle Kinder.
Generell ist die Impfung für Mädchen unter anderem zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs wichtig. Laut Saluzzo tritt Analkrebs vor allem bei homosexuellen Männern auf, aber auch die Impfung in Schulen ist für alle Jungen ratsam. „Nicht nur, um Analkrebs vorzubeugen, sondern generell, um später andere Menschen nicht mit dem Papillomavirus anzustecken.“
Mangel an T-Zellen aufgrund von HIV
Saluzzo hat bereits einen Teil der Gründe erforscht, warum HIV zu einem erhöhten Krebsrisiko führt. In einer Studie vom Dezember 2021 fanden sie und ein Forschungsteam heraus, dass die Anzahl bestimmter Gedächtnis-T-Zellen in der Haut während einer HIV-Infektion weiter abnimmt. „Dennoch wären die Zellen wichtig für den immunologischen Schutz vor Infektionen und Tumorzellen, also auch für die Immunabwehr gegen Papillomviren“, erklärt Saluzzo.
„Wenn Sie sexuell aktiv sind und mit unterschiedlichen Menschen zusammen sind oder Risikokontakte haben, sollten Sie sich mindestens alle drei Monate auf HIV testen lassen“, rät der Immunologe. Je früher eine geeignete Therapie begonnen wird, desto mehr T-Zellen werden zurückgehalten.
Im März 2022 erhielt Saluzzo außerdem den diesjährigen Egon-Macher-Preis für seine Forschung von der Dermatology Research Working Group.
Suche nach Mechanismen
Neben dem Abschluss ihrer Facharztausbildung ist Saluzzo bereits damit beschäftigt, mehr über die Funktionsweise von T-Zellen zu erfahren: „Wir haben den Mechanismus, der diese Zellen wichtig macht, noch nicht gefunden Krebs bei Gesunden und bei HIV-Infizierten.“ Saluzzo will die Ergebnisse der beiden Gruppen vergleichen.
Auch als Facharzt möchte Saluzzo in Österreich bleiben und die klinische Arbeit im Krankenhaus mit der Grundlagenforschung verbinden. Die Italienerin will mit ihrer Forschung die Entwicklung neuer Medikamente und Behandlungsmöglichkeiten gegen Krebs, Infektionen, allergische Reaktionen, Stoffwechselerkrankungen und vieles mehr vorantreiben.